2016/2017 »Making-of«

Making-of

Der Jahresschwerpunkt «Making-of» ist dem Thema der künstlerischen Produktion gewidmet und wird von Fabienne Liptay und Sandro Zanetti organisiert. Kunstwerke sind immer auch Ergebnisse ihrer konkreten Produktionsbedingungen. Gleichzeitig lassen sich diese Produktionsbedingungen kaum nachträglich aus ihnen rekonstruieren. Die Leistung künstlerischer Arbeit besteht mithin darin, den Prozess der Produktion, auch die mit ihm verbundenen Widerstände und Unwägbarkeiten, im Werk selbst vergessen zu machen. Wo Filme, Romane, Gemälde, Fotografien oder Installationen über ihr eigenes Gemachtsein Auskunft geben, tun sie dies auf ebenso vielfältige wie raffinierte Weise: durch das Aufzeigen von etwas, das sich der unmittelbaren Anschauung eigentlich entzieht.
Unter diesen Voraussetzungen werden sich Wissenschaftler und Künstler mit den jeweils spezifischen Bedingungen der künstlerischen Produktion sowie mit den Möglichkeiten ihrer Darstellung und Reflexion im Werk befassen. In Vorträgen, Diskussionen, Workshops und Werkstattgesprächen gehen sie der Frage nach, wie Kunstwerke über ihr Gemachtsein nachdenken, wie sich dieses Denken praktisch vollziehen und theoretisch nachvollziehen lässt.

 

Veranstaltungen

 

ZKK:Werkstattgespräch mit Clemens von Wedemeyer und Sabeth Buchmann

Am 15. Mai 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich, moderiert von Fabienne Liptay.

Für den Videokünstler Clemens von Wedemeyer stellt das Making-of eine eigene Form der künstlerischen Reflexion und Recherche dar. In der prekären Zone zwischen Inszenierung und Dokumentation suchen seine Arbeiten eine Auseinandersetzung mit historischen Orten und Ereignissen. Diese werden oftmals ganz explizit zu Schauplätzen von Dreharbeiten, in denen Möglichkeiten der Wiederholung von Geschichte erprobt werden. Auf der Basis von Materialien und Dokumenten rekonstruiert von Wedemeyer die Dreharbeiten des von Ulrike Meinhof geschriebenen Fernsehspiels Bambule, die er auf dem Gelände der Gedenkstätte von Breitenau nachstellt (Muster (Rushes), 2012), oder führt mit Aktivisten des Teatro Valle Occupato einen Streik von Statisten wieder auf, der sich während der Dreharbeiten von Ben Hur in den Filmstudios von Cinecittà (Procession, 2013) ereignete. Über seine Arbeiten spricht er mit Sabeth Buchmann (Professorin für Kunst der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der Bildenden Künste Wien), die im Frühjahrssemester 2017 zu Gast an der Universität Zürich ist und unter anderem zu Topoi und Verfahren der Probe lehrt und forscht.

 

ZKK:Werkstattgespräch und Screening mit Omer Fast und Tom McCarthy

Am 20. Mai um 18.30 Uhr (Filmscreening) und 20.15 Uhr (Werkstattgespräch), moderiert von Fabienne Liptay, Internationales Experimentalfilm- & Videofestival VIDEOEX, Kanonengasse 20, Zürich.

Als Filmemacher und Videokünstler thematisiert Omer Fast die Prozesse der Medialisierung von Erinnerung. Wiederholt sind es traumatische Erfahrungen, Erfahrungen des Krieges oder des Exils, die diesen Prozessen in Akten des Erzählens, des Improvisierens, Probens, Spielens und Nachspielens vor der Kamera unterliegen. Seine Filme erschaffen Welten, in denen die Grenzen zwischen persönlicher und öffentlicher Mitteilung brüchig werden. Im Modus des Making-of werden dabei die medialen Mechanismen sichtbar, die den Zugang zur gelebten Geschichte eröffnen sollen und ihn zugleich verstellen. Was geschehen und was gespielt ist, lässt sich in Arbeiten wie Spielberg’s List (2003), The Casting (2007), Nostalgia (2009) oder Continuity (2012/2016) kaum noch ausmachen. Angesichts der Filme von Omer Fast, schreibt der britische Schriftsteller Tom McCarthy, würden wir uns bewusst, „dass wir nicht länger so tun können, als seien wir authentisch – es bleibt uns nur, dem Wissen um die Inauthentizität auf immer höherem Niveau Geltung zu verschaffen“.

In Zusammenarbeit mit dem ZKK zeigt das Internationale Experimentalfilm- & Videofestival VIDEOEX eine Auswahl seiner Filme. Im Anschluss an das Screening am Eröffnungsabend des Festivals findet ein Gespräch mit dem Künstler und mit Tom McCarthy statt, dessen Roman Remainder von Omer Fast 2015 verfilmt wurde. Zum VIDEOEX-Programm

 

ZKK:Salon mit Mieke Bal, moderiert von Sandro Zanetti

Am 6. November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

 

ZKK:Workshop mit Mieke Bal

Am 7. November 2017 in der Universität Zürich, genauer Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben.

 

Vergangene Veranstaltungen

ZKK:Lecture: »Der amerikanische Freund«, von Prof. Dr. Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim)

Am 7. Dezember 2016, 16.15-17.45 Uhr, im Rahmen des Forschungskolloquiums am Seminar für Filmwissenschaft, Affolternstrasse 56, Raum AFL E-019, 8050 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Julian Rosefeldt und Burcu Dogramaci, moderiert von Fabienne Liptay

Am 24. Oktober 2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Thomas Julier, moderiert von Elisabeth Bronfen und Fabienne Liptay

Am 10. Oktober 2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Artur Żmijewski und Dorota Sajewska, moderiert von Fabienne Liptay

Am 22. April 2016 um 20 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Sandro Zanetti: "Produktionsästhetik"

Am 14. März 2016 um 16 Uhr im Deutschen Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich.

Publikationen

Sandra Frimmel, Fabienne Liptay, Dorota Sajewska und Sylvia Sasse (Hg.): »Artur Żmijewski. Kunst als Alibi« (im Druck)

Ca. 270 Seiten, Broschur, zahlr. Abb., ISBN 978-3-03734-979-83. Erscheint im Frühjahr 2017.

Kunst als Alibi – damit ist eine Strategie des polnischen Videokünstlers Artur Żmijewski benannt. In seinen Arbeiten rehabilitiert Żmijewski die Idee der Wirkung von Kunst auf die Gesellschaft als Konzept autonomer Kunstproduktion. Dabei verzichtet er radikal auf eine Ästhetisierung der Wirklichkeit. Kunst ist für ihn vielmehr ein »Werkzeug«, ein »Mechanismus« und manchmal auch nur das »Alibi«, um politisch in die Welt eingreifen zu können. Er arbeitet mit MuseumsdirektorInnen, mit Frauen im Gefängnis, mit KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen.

Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Essays, Gespräche und Bilder Żmijewskis, die die Idee der künstlerischen Praxis, die er selbst auch »Angewandte Gesellschaftskunst« nennt, vorstellen und diskutieren.