2016/2017 »Making-of«

Making-of

Der Jahresschwerpunkt «Making-of» ist dem Thema der künstlerischen Produktion gewidmet und wird von Fabienne Liptay und Sandro Zanetti organisiert. Kunstwerke sind immer auch Ergebnisse ihrer konkreten Produktionsbedingungen. Gleichzeitig lassen sich diese Produktionsbedingungen kaum nachträglich aus ihnen rekonstruieren. Die Leistung künstlerischer Arbeit besteht mithin darin, den Prozess der Produktion, auch die mit ihm verbundenen Widerstände und Unwägbarkeiten, im Werk selbst vergessen zu machen. Wo Filme, Romane, Gemälde, Fotografien oder Installationen über ihr eigenes Gemachtsein Auskunft geben, tun sie dies auf ebenso vielfältige wie raffinierte Weise: durch das Aufzeigen von etwas, das sich der unmittelbaren Anschauung eigentlich entzieht.
Unter diesen Voraussetzungen werden sich Wissenschaftler und Künstler mit den jeweils spezifischen Bedingungen der künstlerischen Produktion sowie mit den Möglichkeiten ihrer Darstellung und Reflexion im Werk befassen. In Vorträgen, Diskussionen, Workshops und Werkstattgesprächen gehen sie der Frage nach, wie Kunstwerke über ihr Gemachtsein nachdenken, wie sich dieses Denken praktisch vollziehen und theoretisch nachvollziehen lässt.

 

Veranstaltungen

 

Meet the Artist: Mathieu Copeland

The Exhibition of a Film, CH 2014, 100 Min., E, DCP, Farbe

Am 21. September 2017 um 18 Uhr im Kino Xenix, Kanzleistrasse 52, Zürich.
Anschliessend Gespräch mit Fabienne Liptay, Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich, auf Englisch.

THE EXHIBITION OF A FILM ist nicht nur ein Film über eine Ausstellung, sondern eine Ausstellung an und für sich, und zwar im Kino. Mathieu Copeland entwickelte als Kurator in den vergangenen Jahren Konzepte und Praktiken, welche die gewöhnliche Rolle von Ausstellungen und ihre Wahrnehmung herausfordern. In THE EXHIBITION OF A FILM nimmt er sich des Kontexts und der Konventionen des Kinos an, indem er auf der Basis von Arbeiten unterschiedlicher Künstler ein Werk geschaffen hat, das gleichzeitig als »ausgestellter Film«, als »Film einer Ausstellung« und als »gefilmte Ausstellung« wahrgenommen werden kann. In Bezug auf das Kino als Medium und Ort stellen sich Fragen nach dem Objektstatus von Kunstwerken oder der Zeitlichkeit im Ausstellungskontext. Je nachdem, welche der drei möglichen Aspekte in den Blick rücken, eröffnen sich unterschiedliche Perspektiven: Dokumentiert der Film die ausgestellten Werke, oder werden sie durch die filmische Dokumentation überhaupt erst als Werke erschaffen und ausgestellt? Ist die Ausstellung Dokumentation oder Fiktion? Welche Rolle kommt dabei dem Zuschauer zu? Diese und weitere Fragen diskutiert Mathieu Copeland im Anschluss an die Vorführung von THE EXHIBITION OF A FILM mit Fabienne Liptay, Professorin für Filmwissenschaft an der Universität Zürich.
Eine Zusammenarbeit des Seminars für Filmwissenschaft und dem Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich mit dem Kino Xenix.

 

ZKK:Lecture von Mieke Bal: Clouded Judgments

Am 6. November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Im Rahmen des Jahresschwerpunkts »Making-of« lädt das ZKK die renommierte Kulturanalytikerin und Filmemacherin Mieke Bal (Amsterdam) zu einem Vortrag und einem Workshop ein. Ausgehend von Hubert Damischs »Theorie der Wolke« widmet sich Bals Vortrag den Wolkenbildern des zeitgenössischen Künstlers Benoît Maire: Was sagt die Theorie zur Kunst – und wie antwortet die Kunst darauf?

 

ZKK:Workshop mit Mieke Bal: Thinking in Film

Am 7. November 2017 von 10:15 bis 15 Uhr in der Universität Zürich, Karl Schmid-Strasse 4, Raum KO2-F-152.

Mieke Bal ist nicht nur als Kulturanalytikerin bekannt geworden, sie hat in den letzten Jahren auch eine Reihe von Filmen und Videoinstallationen realisiert. Der Workshop beginnt mit der Vorführung des Films REASONABLE DOUBT, der unterschiedliche Szenen aus dem Leben von René Descartes (1596-1650) sowie der Königin Christina von Schweden (1626-1689) in den Blick nimmt. Nach einer brieflichen Kontaktaufnahme treffen sich die beiden in Stockholm, wo Descartes kurz nach seiner Audienz bei der Königin stirbt. Ausgehend von Descartes letztem Werk, Les Passions de l’âme (Die Leidenschaften der Seele), eröffnet der Film einen Zugang zu Descartes Denken in audiovisueller Form. In der Diskussion werden wir erörtern, was es heissen kann, im Medium des Films zu denken, eine theoretische Fiktion herzustellen sowie am Genre eines Doku-Dramas zu arbeiten.

Nähere Informationen und Anmeldung zum Workshop unter info@zkk.uzh.ch. Anmeldeschluss ist der 15. Oktober 2017.

Vergangene Veranstaltungen

 

ZKK:Werkstattgespräch und Screening mit Omer Fast und Tom McCarthy, moderiert von Fabienne Liptay

Am 20. Mai um 18.30 Uhr (Filmscreening) und 20.15 Uhr (Werkstattgespräch), moderiert von Fabienne Liptay, Internationales Experimentalfilm- & Videofestival VIDEOEX, Kanonengasse 20, Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Clemens von Wedemeyer und Sabeth Buchmann

Am 15. Mai 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

ZKK:Lecture: »Der amerikanische Freund«, von Prof. Dr. Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim)

Am 7. Dezember 2016, 16.15-17.45 Uhr, im Rahmen des Forschungskolloquiums am Seminar für Filmwissenschaft, Affolternstrasse 56, Raum AFL E-019, 8050 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Julian Rosefeldt und Burcu Dogramaci, moderiert von Fabienne Liptay

Am 24. Oktober 2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Thomas Julier, moderiert von Elisabeth Bronfen und Fabienne Liptay

Am 10. Oktober 2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

ZKK:Werkstattgespräch mit Artur Żmijewski und Dorota Sajewska, moderiert von Fabienne Liptay

Am 22. April 2016 um 20 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Sandro Zanetti: "Produktionsästhetik"

Am 14. März 2016 um 16 Uhr im Deutschen Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich.

Publikationen

Sandra Frimmel, Fabienne Liptay, Dorota Sajewska und Sylvia Sasse (Hg.): »Artur Żmijewski. Kunst als Alibi«

270 Seiten, Broschur, zahlr. Abb., ISBN 978-3-03734-979-83.

Kunst als Alibi – damit ist eine Strategie des polnischen Videokünstlers Artur Żmijewski benannt. In seinen Arbeiten rehabilitiert Żmijewski die Idee der Wirkung von Kunst auf die Gesellschaft als Konzept autonomer Kunstproduktion. Dabei verzichtet er radikal auf eine Ästhetisierung der Wirklichkeit. Kunst ist für ihn vielmehr ein »Werkzeug«, ein »Mechanismus« und manchmal auch nur das »Alibi«, um politisch in die Welt eingreifen zu können. Er arbeitet mit MuseumsdirektorInnen, mit Frauen im Gefängnis, mit KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen.

Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Essays, Gespräche und Bilder Żmijewskis, die die Idee der künstlerischen Praxis, die er selbst auch »Angewandte Gesellschaftskunst« nennt, vorstellen und diskutieren.