2021/2022 »Form/Formlosigkeit«

Nach dem Verdikt, das Diskursanalyse und Dekonstruktion über den Formalismus verhängt haben, weil Formen ‘autoritär’ und ‘präskriptiv’ seien, sind der Formbegriff und mit ihm verbunden auch die literarische Form heute wieder Gegenstand prominent besetzter internationaler interdisziplinärer Debatten. Frauke Berndt und Klaus Müller-Wille möchten mit dem Jahresschwerpunkt des ZKK dazu einladen, auch in Zürich neu über FORM nachzudenken: Dabei geht es weniger um Neo- oder Retro-Formalismus als vielmehr um die Frage, wie sich die rezenten Kunst-, Literatur-, Film-, Medien- und Kulturwissenschaft diesem gewaltigen Begriff stellen, ohne einem essentialistischen Formbegriff das Wort zu reden. Zwischen Idealismus (Platon) und Ontologie (Aristoteles) und hier wiederum zwischen Aktualität und Potentialität hat der Formbegriff eine zweitausendjährige Geschichte, deren gemeinsamer Nenner die Differenz zwischen Form (eidos oder morphe, forma) und Stoff (hyle, materia) bildet. Den Höhepunkt der theoretischen Debatten in der Vormoderne bildet die so genannte Morphologie, die u.a. bei Johann Wolfgang Goethe alle Formen des Lebens in Natur und Kunst verbindet. Ab 1800 zeichnet sich eine grundsätzliche Transformation des Nachdenkens ab. In der Moderne führt von der Lebensphilosophie um 1900 bis zu den rezenten Theorien von Gilles Deleuze oder Giorgio Agamben in der Postmoderne – mit der Tendenz der Auflösung der Form in Formlosigkeit bei Dona Haraway u.a. um 2000.
Form, Formlosigkeit und die Formen der Formlosigkeit sind das Thema des Jahresschwerpunkts, in der klassische philosophische und ideengeschichtliche Positionen sowie deren aktuelle Revisionen im künstlerischen und kulturtheoretischen Kontext diskutiert werden sollen. Denn Literatur, Bildende Kunst, Film, Musik oder Performances zeichnen sich vor allem durch eines aus: FORM/LOSIGKEIT.

Veranstaltungen

Ringvorlesung Form/Formlosigkeit

FS 2021, Montags, 14-15:45 Uhr, Universität Zürich, online, Anmeldung via OLAT erforderlich

Zwischen Idealismus (Platon) und Ontologie (Aristoteles) und hier wiederum zwischen Aktualität und Potentialität hat der Formbegriff eine zweitausendjährige Geschichte, deren gemeinsamer Nenner die Differenz zwischenForm (eidos oder morphe, forma) und Stoff (hyle, materia) bildet. Den Höhepunkt der theoretischen Debatten in der Vormoderne bildet die sogenannte Morphologie (u.a. bei Johann Wolfgang Goethe). Ab 1800 zeichnet sich eine grundsätzliche Transformation des Nachdenkens ab, die bis zu den rezenten Theorien von Gilles Deleuze oder Giorgio Agamben sowie zur Tendenz der Auflösung der Form in Formlosigkeit etwa bei Donna Haraway reicht. Form, Formlosigkeit und die Formen der Formlosigkeit sind das Thema dieser Ringvorlesung, in der klassische philosophische und ideengeschichtliche Positionen sowie aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche Revisionen anhand von Beispielen aus Literatur, bildender Kunst, Film, Musik und Performance Art diskutiert werden.

Alle Hinweise zum Livestreaming, zu einzelnen Podcasts sowie zu weiteren Materialien der Ringvorlesung werden per E-Mail via OLAT kommuniziert.

Kontakt / Modulverantwortung: Prof. Dr. Sandro Zanetti

Programm

22.02.2021 Frauke Berndt: Form und Formlosigkeit. Konzepte – Theorien – Modelle (Einführungsvortrag)

1.03.2021 Elisabeth Bronfen: Serial Forms. Shakespeare meets Quality TV

8.03.2021 Rahel Villinger: Natural Forces of Form. The Waves and other writings by Virginia Woolf

15.03.2021 Marius Reisener: Die Form der Männlichkeit. Romantheorie und Geschlecht

22.03.2021 Sylvia Sasse: Formangst. Wie die Form politisch wurde

29.03.2021 Eduardo Jorge de Oliveira: Die Tiergestalt. Reading Animal Patterns in Latin American Art and Literature

12.04.2021 Sandro Zanetti: Form and Time in Emily Dickinson

26.04.2021 Andrea Riemenschnitter: Form and Matter in Chinese. Environmental Poetry and Art

3.05.2021 Lena Rohrbach: Eine Unform an Gestalt. Form(-losigkeit) in der vormodernen isländischen Prosatradition

10.05.2021 Liliana Gómez: Verflüssigungen. Form/Formlosigkeit in den künstlerischen Praktiken der Gegenwart

17.05.2021 Dorota Sajewska: Szenen des Obszönen. Form und Norm in der Literatur und Performance

31.05.2021 Klaus Müller-Wille: Pour la forme (Jorn) (Abschlussvortrag)

Form(lose) Körper

Montag, 29. März 2021, 14-18 Uhr, via Zoom

EIn Workshop mit Vorträgen von Frauke Berndt, Stephan Kammer und Bärbel Küster.
Organisiert von Prof. Dr. Frauke Berndt.