Veranstaltungen

African Mirror

19. November 2019, 18:30 Uhr, Kino RiffRaff, Neugasse 57/63, 8005 Zürich, mit anschliessendem Gespräch mit dem Regisseur Mischa Hedinger und Prof. Dr. Gesine Krüger, moderiert von Prof. Dr. Monika Dommann

Der Schweizer René Gardi (1909-2000) erklärte uns über Jahrzehnte hinweg den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner. In Büchern, Fernsehsendungen und Filmen schwärmte er von den schönen nackten Wilden und der vormodernen Zeit, in der sie lebten. Die angeblich heile Welt wurde zu Gardis Paradies und Afrika zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Zuhausegebliebenen.
Mischa Hedingers Dokumentarfilm
»African Mirror« erzählt die Geschichte unseres problematischen Afrikabildes anhand Gardis Archiv, in dessen ambivalenten Bildern sich unser europäisches Selbstverständnis vielfach spiegelt. Der Film entlarvt das Bildermachen als eine Form des Kolonialismus und zeigt, wie wir uns bis heute einem Blick in diesen Spiegel verweigern.

Eine Veranstaltung des Geschichtskontors (JPG, 182 KB) des Historischen Seminars der Universität Zürich.

Juliane Vogel: »Die Unruhe der geklebten Dinge. Zur Poetik des Klebens in der Moderne«

Mittwoch, 11. Dezember, 19 Uhr, Scaletta/Seebähnli, Kalkbreitestrasse 33, 8003 Zürich  

Juliane Vogel (Universität Konstanz) hat am Wissenschaftskolleg zu Berlin ein Projekt zur Poetik der Schere verfolgt. Ihr Vortrag rekonstruiert die Poetik des Klebens in der Text- und Bildproduktion der Moderne. Er fragt nach der Syntax von Klebearbeiten bzw. nach einer Praxis der Zusammenfügung, die nicht mehr durch Grammatik geregelt, sondern durch Klebstoff  realisiert wird. Zugleich wird der Versuch unternommen, Transformationen des Klebens zwischen dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert nachzuvollziehen. Hier ist von der Annahme auszugehen, dass das restaurative Kleben, das für die Klebearbeiten des 19. Jahrhunderts kennzeichnend ist, zusehends durch Praktiken arretierenden Klebens abgelöst wird.

Gesine Krüger: »Kultur bewegen. Zur Rückgabe afrikanischer Kulturgüter aus europäischen Sammlungen«

Montag, 16. Dezember 2019, 16:15-18 Uhr, Universität Zürich, Rämistrasse 71, Hörsaal KOL-G-204

Was ist jetzt? Wie ist es dazu gekommen? Und was ist im Kommen? Diese Fragen stehen im Zentrum von »Kulturanalyse Jetzt!«, der Ringvorlesung des Studienprogramms Kulturanalyse. Die Beiträge, in Form von Vorträgen, Panels und Gesprächen mit Gästen, fokussieren auf die Jetztzeit, analysieren kulturelle Zeitphänomene oder Ereignisse aus Politik und Gesellschaft, praktizieren, was der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel als die »Zeit in Gedanken erfasst« bezeichnet hat. Leitfragen in dieser analytischen Zuwendung zur Gegenwart sind: Wie und mit welchen Mitteln kann Gegenwart erfasst werden? Welche Techniken und Konzepte liefern die unterschiedlichen Disziplinen für die Gegenwartsanalyse? Welche Geschichte hat sie? Die Beiträge beantworten diese Fragen exemplarisch und von den vielfältigen disziplinären Standpunkten her, die für die Kulturanalyse von Interesse sind. Dadurch eröffnen sich einerseits Perspektiven, die helfen, sich in der Gegenwart zu orientieren. Andererseits wird der Praxis der Gegenwartsanalyse ein Schauplatz gegeben, der dazu einlädt, selbständig diese Praxis zu wagen.

Hier können Sie das gesamte Programm der Ringvorlesung anschauen.

Poesie ist Riskio. Augusto de Campos – ein konkreter Dichter

Vernissage: 31. Oktober 2019, 18 Uhr, Laufzeit: 1. - 24. November 2019, Photobastei, Sihlquai 125, 8005 Zürich

 

Augusto de Campos (*1931), brasilianischer Dichter, Essayist, Literatur- und Musikkritiker, ist einer der wichtigsten Dichter Brasiliens. 1956 lancierte er gemeinsam mit seinem Bruder Haroldo de Campos und Décio Pignatari in São Paulo die internationale Bewegung der Konkreten Poesie. In seinen Werken, die eine spezifische Poetik des »menos« (weniger) auszeichnet, entwickelt er neue Strukturen für die visuelle Poesie, u.a. unter Einbezug der Social Media. Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet übersetzt er ausserdem Werke u.a. von Rimbaud, Rilke und Emily Dickinson.
Die Ausstellung Poesie ist Risiko, in deren Zentrum Augusto de Campos’ Werk »Verbi-Voco-Visual« steht, möchte die ständige Neuerfindung der Sprache (Kreation, Übersetzung, Intermedialität) veranschaulichen. Diese manifestiert sich sowohl in de Campos’ ersten Experimenten während der Schaffung der Konkreten Poesie, als auch in seiner heutigen Tätigkeit im digitalen Bereich. Zusätzlich zur Präsentation in der Photobastei werden Bücher, Buchobjekte, Fotografien, Collagen, Poster mit Paragrafen und Textausschnitten, Videos und Bildschirmfotos von Publikationen auf Instagram zu sehen sein. Ergänzt wird die Ausstellung von einer Sonderausgabe der Poemobiles mit Gedichten auf Portugiesisch und Deutsch, Dokumenten und Bildern (Verlag Demônio Negro 2019).
Organisiert im Rahmen der Reihe »Konkreter Oktober« der Abteilung für Brasilianistik des Romanischen Seminars der Universität Zürich, kuratiert von Eduardo Jorge de Oliveira und Vanderley Mendonça.

Artists & Agents – Performancekunst und Geheimdienste

Vernissage: 25. Oktober 2019, Laufzeit: 26. Oktober 2019 22. März 2020, Hartware MedienKunstVerein Dortmund, Leonie-Reygers-Terrasse, D-44137 Dortmund

Nach 1990 wurden viele Geheimdienstarchive der ehemaligen Ostblock-Länder für die wissenschaftliche Forschung geöffnet. Dadurch war es erstmals möglich, Desinformation über Kunst und die Einflussnahme der Geheimdienste auf künstlerische Arbeiten zu untersuchen. Die Ausstellung will vor allem die Interaktion von Geheimdienstaktionen und Performancekunst zeigen, jener Kunstrichtung, vor der sich die totalitären Staaten Osteuropas am meisten fürchteten. Um die Relevanz dieser Fragen für die Gegenwart zu verdeutlichen, findet die Ausstellung 2019 statt, in dem Jahr, in dem sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 30. Mal jährt. In der DDR war es die demokratische Opposition (darunter auch viele Künstler*innen), die 1989 die Stasi-Zentralen stürmte und die Vernichtung der Akten durch Stasi-Mitarbeiter*innen stoppte. Im Vorfeld der Ausstellung wurden umfangreiche und gezielte Recherchen in Geheimdienstarchiven in Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik, Rumänien und Deutschland durchgeführt. Die Ausstellung konzentriert sich auf Beispiele aus diesen Ländern aus den Jahren 1960-1990.

Mit Laszlo Algol / Gusztav Haberman / „Pécsi Zoltán” (HU), Alexandru Antik (RO), Tina Bara & Alba d’Urbano (DE), Kurt Buchwald (DE), Bulldozerausstellung (RU), György Galántai / Artpool (HU), Ion Grigorescu (RO), Sanja Iveković (HR), Voluspa Jarpa (Chile), Jens Klein (DE), Daniel Knorr (RO/DE), Csilla Könczei (RO), Korpys/Löffler (DE), Jiří Kovanda (CZ), Károly Elekes & Árpád Nagy, MAMÜ-Gruppe (RO), Simon Menner (DE), Arwed Messmer (DE), Clara Mosch (DE), Orange Alternative (PL), Peng! Collective (DE), Józef Robakowski (PL), Cornelia Schleime (DE), Nedko Solakov (BG), Gabriele Stötzer (DE), Tamás Szentjóby / Gábor Altorjay (HU), u.a.

Sowie Akten der/des Politischen Polizei Schweiz; MfS (Ministerium für Staatssicherheit) DDR; SB (Służba Bezpieczeństwa) VR Polen; ŠB (Štátní bezpečnost), ČSSR; KGB (Komitet gosudarstvennoj bezopasnosti), UdSSR; BM VR Ungarn; Securitate Rumänien.

Eine Ausstellung des HMKV (Hartware MedienKunstVerein) in Kooperation mit dem Slavischen Seminar der Universität Zürich (CH), kuratiert von Inke Arns, Kata Krasznahorkai und Sylvia Sasse. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und den ERC (Projekt Performance Art in Osteuropa (1950-1990): Geschichte und Theorie).