Archiv

HS 2018

Nicht-endende Enden. Über Denken, Sprechen und abschweifende Forschung

Screening und Gespräch mit der Künstlerin Lilian Robl

Am 18. Oktober um 19:15 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Lilian Robl (* 1990), Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Freien Kunst in München und Brüssel, arbeitet an den Nahtstellen der Bereiche Bildende Kunst, Literatur und Philosophie, alleine oder in Kooperationen. So forschte sie beispielsweise 2017 im Rahmen eines dreimonatigen Fellowships am Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst an Fragestellungen der Diagrammatik und ist Mitglied einer Gruppe von Theoretikern, Künstlern und Schriftstellern, die an der Realisierung eines Thesaurus der literarischen Sprachfiguren und Bildbegriffe arbeitet.

Im Cabaret Voltaire stellt sie ihre Videoarbeiten Abschweifung und Synset Kreis vor, in denen sie die titelgebenden Begriffe untersucht: Schreiben und Zeichnen, Schrift und Bild, aber auch Sprache und Mathematik oder Literatur und Philosophie treffen hier aufeinander. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Prof. Dr. Barbara Naumann statt.

 

Rhythm & Poetry (RaP): Movements, Diasporas, Entanglements

An evening of spoken word, poetry, rap and conversation with the poet Ricardo Aleixo from Brazil and the rapper Diamondog from Angola
September 17th, 2018 at 7 p.m., Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zurich

Connecting continents and cultures, Aleixo and Diamondog take the audience on a veritable journey across spaces and memories. They reveal the power of the voice as both a primal source of rhythm and a vehicle of histories of oppression and resistance, bringing back the experiences of Africans and the African diaspora, and reminding us of the importance of poetry, music and performance as means of articulating identities and politics.
Through a mixture of performances and discussions, Portuguese and English, Aleixo and Diamondog will explore the centrality of the Black Atlantic and the history of slavery for contemporary artistic expressions.
The discussion will be hosted and simultaneously translated by Ana Sobral (English Seminar) and Eduardo Jorge de Oliveira (Romanic Seminar). Knowledge of Portuguese is not required.

 

FS 2018

La joie qui vient (About the Joy)

Ein Film von Eduardo Jorge de Oliveira
Am 07. Juni 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, mit einem anschliessenden Gespräch mit Maria Filomena Molder (Lissabon) und Jean-Luc Nancy (Strassburg).

Eduardo Jorge de Oliveira begibt sich in seinem Film-Essay La joie qui vient (34 Min.) gemeinsam mit den Philosophen Maria Filomena Molder (Lissabon) und Jean-Luc Nancy (Strassburg) auf die Suche nach der Freude. Durch das spezifische Medium des Films nähert sich de Oliveira verschiedenen Arten, Freude zu lesen und über sie zu sprechen. Dabei widmet er sich vor allem philosophischen Diskursen und Gedanken, die das Konzept der Freude als ihren Ausgangspunkt nehmen, die aber auch direkt von dem Wort »Freude« ausgehen.

 

Performance Art (as) Theory #2: Rebecca Schneider. »Gesture in the Times of Hands Up or That the Past May Yet Have Another Future«

Am 05. Juni 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, auf Englisch.

Die amerikanische Performance-Theoretikerin und Autorin wegweisender Studien zum Reenactment, Rebecca Schneider, spricht über eine Theorie der Geste: »Gesture in the Times of Hands Up or That the Past May Yet Have Another Future«. Im Vortrag theoretisiert sie die Geste als eine iterative und irruptive Körperperformance und problematisiert das Verhältnis zwischen den Gesten und dem politischem Aktivismus.
Die Reihe »Performance Art (as) Theory« ist eine Kooperation zwischen dem ZKK und dem ERC-Projekt »Performance Art in Eastern Europe (1950-1990): History and Theory«.

 

Körperarchiv #6: Reenacting, Recoding, Reinscribing: The Body as Archive in Art and Performance

Am 04. Juni 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Eine Podiumsdiskussion mit Aleida Assmann, Diana Taylor und Rebecca Schneider über den Ort des Körpers im Gedächtnisdiskurs und performative Theorien der Archive (in englischer Sprache).

A Haitian Voodoo priest travels to Poland to perform a religious ceremony that will topple the Communist regime. Lenin returns to Cabaret Voltaire to sing a heartfelt karaoke song about love on the beach. A group of people takes over different rooms and halls in Warsaw’s Palace of Culture, to enact countless gestures of political insurgency. An embittered ghetto dweller topples the king of the most advanced African nation to start a worldwide black revolution. A totally obscured photo on a wall indicates the moment when a Belarusian homosexual is imprisoned for cruising between Lenin Avenue and Lenin Street in a homophobic Soviet regime.

These disparate scenes from the “Body Archive” series place the body at the centre of performances, reenactments and reinterpretations of the past. From November 2017 to May 2018 we met up with artists and activists whose work bears the traces of colonization, slavery, the October Revolution and the Cold War. We discussed what sort of ‘memory work’ can be rendered through the acting body – on the stage, in film and video, in photography or in museum exhibitions. Can the body provide an alternative cultural archive? How can we distinguish between performative and narrative forms of remembering? Does the counter-memory performed by the body formulate new possibilities of political life?

To close these exhilarating exchanges, the “Body Archive” series will host one final event that brings artistic practice and scholarly analysis together. In a round table discussion, foremost intellectuals Aleida Assmann, Rebecca Schneider and Diana Taylor will debate the place of the body in performance and memory studies, the relationships between memory, archive and repertoire, and the political implications of thinking the body in cultural memory. Dorota Sajewska and Ana Sobral will present highlights from the “Body Archive” series and chair the round table discussion.

 

Walk through Talk. Ein Gespräch mit Salomé Lamas und Daniela Agosthino

Am Sonntag, 27. Mai 2018, um 18 Uhr im Festivalzentrum Kunstraum Walcheturm, Zeughaus 3, Zürich.

In Kooperation mit dem Seminar für Filmwissenschaft und dem Zentrum Künste und Kulturtheorie der Universität Zürich findet im Rahmen des Videoexfestivals ein Gespräch zwischen der Filmemacherin Salomé Lamas und der Medienwissenschaftlerin Daniela Agostinho statt. Im Programm werden auch ausgewählte Kurzfilme sowie der Langfilm ELDORADO XXI von Salomé Lamas zu sehen sein. Der Eintritt zum Gespräch ist frei.

In der Auseinandersetzung mit ihrem reichen Werk hilft die Filmemacherin Salomé Lamas dem Publikum, neue Gebiete des dokumentarischen Filmemachens zu ergründen. Sie bespricht Themen, die ihren Langfilmen und früheren Kurzfilmen gemein sind und die Grenzen zwischen Kino und Kunstfilm ausloten. Sie erforscht Fragen zur Darstellung von Erinnerung und dem Erzählen von Geschichten mit Bildern sowie ihren einzigartigen Zugang zur Vorproduktion und ihre Beziehung zum Drehen und Schneiden ihrer Filme.

Salomé Lamas (*1987 in Lissabon) hat in Lissabon und Prag Film und in Amsterdam Bildende Kunst studiert und ist Doktorandin in Zeitgenössischer Kunst in Coimbra. Ihre Werke werden sowohl in Kunsträumen als auch an Filmfestivals gezeigt. An den Kurzfilmtagen Oberhausen war 2018 ein Artist Special über sie zu sehen.

Daniela Agostinho hat Medien und Kultur in Lissabon und Berlin studiert. Zurzeit ist sie Post-Doc-Forscherin in der Uncertain Archives-Forschungsgruppe der Universität Kopenhagen. Ihre Forschung beschäftigt sich mit Darstellungen von historischer Gewalt, von Kolonialismus bis zu zeitgenössischer Kriegsführung, mit einem besonderen Fokus auf feministische und dekoloniale Perspektiven visueller digitaler Kultur.

 

Körperarchiv #5: Karol Radziszewski

Am 07. Mai 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Ein Gespräch über performative Geschichtsschreibung und die Rolle des körperbasierten Zeugnisses in der Queer-Kultur.

Am 15. November 2015 rief der polnische Maler und Videokünstler Karol Radziszewski das Queer Archives Institute (QAI) ins Leben, eine der Forschung, Sammlung, Digitalisierung, Präsentation, Ausstellung, Analyse und künstlerischen Interpretation von Queer-Archiven mit besonderem Fokus auf Mittel- und Osteuropa gewidmete Non-Profit-Organisation. Diese Initiative des in Polen einzigen öffentlich bekennenden schwulen Künstlers ist der Versuch, eine Art alternatives Vorfahrenarchiv aufzubauen, nicht zuletzt, um die Besonderheiten der Geschichte der Queer-Kultur in den kommunistischen Ländern unter Bedingungen politischer Unterdrückung und kultureller Marginalisierung zu veranschaulichen.

Das QAI ist als ein Projekt konzipiert, das sich verschiedener Medien (Audio, Video, Schrift und Bild, materielle Objekte) und hybrider Kunstformen (Zeitzeugengespräche, inszenierte Interviews, Mockumentaries, Re-Performances, vom Künstler kuratierte Ausstellungen und selbst herausgegebene Fanzines) bedient. Radziszewskis Praxis liegt somit am Schnittpunkt von Kunst und Wissenschaft, von künstlerischen und institutionellen Tätigkeiten, um das Schaffen und gesellschaftliche Leben der Queer-Kultur zu verorten.

Über die rainbow colonisation aus dem Westen in den postsozialistischen Ländern und die Rolle der Kunst im Schaffen einer Gegenöffentlichkeit, sowie über den Körper als wichtiger Argument in der Geschichtsschreibung minoritärer Gemeinschaften sprach der Künstler selbst mit unterstützenden Fragen von Dorota Sajewska und Ana Sobral.

 

Körperarchiv #4: What is this ‘Black’ in Black Panther?

Filmvorführung von Black Panther und anschl. Podiumsdiskussion, in Englisch.

Am 17. April 2018 um 19 Uhr im Kino Houdini, Badenerstrasse 173, Zürich.

Die Kino-Adaption des Marvel-Comics Black Panther (2018, Regie Ryan Coogler) ist inzwischen einer der umsatzstärksten Superhelden-Filme aller Zeiten. Das Erscheinen des Films war begleitet von begeisterten Kritiken, die vor allem die einzigartige Repräsentation von »blackness« in einem nicht-kolonialisierten, afrikanischen Kontext herausstrichen. Trotzdem blieben auch skeptische Stimmen nicht aus.

In dieser Podiumsdiskussion versammeln wir Akademiker*innen, Journalist*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen und diskutieren darüber, was genau diesen Film zu einer dermassen wuchtigen Intervention in zeitgenössische Kultur macht – vor allem, aber nicht nur in den USA. Darüber hinaus möchten wir die verschiedenen Ebenen der Repräsentation von »blackness« in Black Panther kritisch betrachten.

Sprecher*innen: Musa Okwonga (Künstler und Journalist, Berlin); Danielle Dash (Künstlerin, Journalistin London); Franziska Meister (Historikerin und Redakteurin der WOZ, Zürich); Simon Küffer (Hochschule der Künste, Bern; aka Rapper Tommy Vercetti). Moderation: Ana Sobral (English Seminar, Zurich).

 

Körperarchiv #3: Suse Wächter

Am 16. April 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Ein performativer Vortrag über Körperlichkeit und Materialität mit Puppen.

Die Berliner Puppenspielerin Suse Wächter baut ihre Puppen für fremde wie für eigene Produktionen, darunter auch für Julian Rosefeldts filmische Installation »Manifesto«. Fast jede Puppe hat mehr als eine Rolle, mehr als eine Persönlichkeit: Suse Wächter baut sie für die verschiedenen Performances jeweils um, sie verfremdet und re-chiffriert ihre Körper und ihren Charakter. Meist sind die Puppen in den Performances zusammen mit menschlichen Schauspielern zu sehen. Dies bedeutet aber keine strikte Dichotomie zwischen den lebendigen und nicht-lebendigen Körpern. Vielmehr wirken die Puppen als eine Art Katalysator für das Leben auf der Bühne: Der Schauspieler kann einen Teil seines Selbst in sie projizieren und sich somit externalisieren.

Diese pygmalion-ähnliche Verflechtung von Leben, Körper und Materie wird auch Teil der Performance im Cabaret Voltaire sein, in der sich die Wahrsagerin Pythia, Gott, Lenin und Jesus treffen. Anschliessend findet ein Gespräch mit Dorota Sajewska und Ana Sobral über Körperlichkeit und Materialität statt.

 

Ida Lupino: Die zwei Seiten der Kamera

Am 26. März 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.
Ein Runder Tisch mit Elisabeth Bronfen, Johannes Binotto, Fabienne Liptay und Hannah Schoch mit einem Screening von „No. 5 Checked Out“ (1956, 30 Min.) und einer Einführung von Ivo Ritzer.


Ida Lupino, Jahrgang 1918, ist einer der grossen Stars des klassischen Hollywood. Nach ihren Anfängen im britischen Kino der 1930er Jahre ist ihr der Sprung nach Amerika gelungen, wo sie bis in die 1970er Jahre als Schauspielerin erfolgreich war. Doch bis heute ist nur wenigen bekannt, dass sie auch hinter der Kamera ein eigenständiges Werk geschaffen hat. Als unabhängige Regisseurin und Produzentin widmete sie sich furchtlos brisanten Stoffen und begab sich in einen kritischen Dialog mit dem klassischen Hollywood und dem Amerika der 1950er Jahre. Als eine von sehr wenigen Frauen wechselte sie gekonnt zwischen den beiden Seiten der Kamera – stets mit einer grossen Sensibilität für die vielschichtigen Möglichkeiten des Mediums und immer mit einem so eigenen wie auch eigenwilligen Blick. Gleichzeitig vollzog Ida Lupino früh und erfolgreich den Schritt vom big screen der Kinos zum small screen des Fernsehens und war in diesem neuen Medium über Dekaden sowohl als Regisseurin wie auch als Schauspielerin äusserst produktiv. Anlässlich ihres 100. Geburtstags ist es nun an der Zeit, Ida Lupinos künstlerisches Schaffen mit neuem Blick zu betrachten, gerade auch weil ihre subtile Gesellschaftskritik überraschend aktuell ist.
Der Band versammelt Beiträge von Johannes Binotto, Elisabeth Bronfen, Stella Castelli, Lukas Foerster, Morgane Gillardi, Fabienne Liptay, Ivo Ritzer, Hannah Schoch, Barbara Straumann und Murièle Weber.
263 Seiten, 183 Fotos, Hardcover, ISBN 978-3-86505-329-9.

 

Performance Art (as) Theory #1: Branislav Jakovljević. »Walter Who?: The End of Art or the End of the Artist?«

Am 15. März 2018 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, auf Englisch.

Im Juli 1986 hielt Walter Benjamin eine Vorlesung mit dem Titel „Mondrian ’63-‘96“ in der ŠKUC Galerie in Ljubljana, in der er Gemälde von Piet Mondrian kommentierte. 2013 veröffentlichte Benjamin Recent Writings, eine Sammlung von neun Essays, allesamt zwischen 1986 und 2013 verfasst.

Branislav Jakovljević, Associate Professor und Lehrstuhlinhaber des Theater and Performance Studies Departments (TAPS) an der Stanford University, Kalifornien, untersucht in seinem Vortrag anhand dieses Phänomens bzw. dieser Performance, ob und inwiefern hier Theorie adressiert, parodiert oder gemacht wird.

Jakovljević forscht und schreibt zum modernistischen Theater, zur Avantgarde- und Konzeptkunst, zur experimentellen und zeitgenössischen Performancekunst. Sein Buch Alienation Effects: Performance and Self-Management in Yugoslavia 1945-91 wurde 2017 mit dem ATHE Outstanding Book Award ausgezeichnet.

Eine Kooperation mit dem ERC-Projekt »Performance Art in Eastern Europa (1950-19190): History and Theory«.

 

Buchpräsentation: Artur Żmijewski. Kunst als Alibi

Am 19. Januar 2018 von 18-20 Uhr in der Galerie Peter Kilchmann, Zahnradstrasse 21, Zürich.

In Anwesenheit des Künstlers wurde der Band Artur Żmijewski. Kunst als Alibi präsentiert. Von Sandra Frimmel, Fabienne Liptay, Dorota Sajewska und Sylvia Sasse herausgegeben versammelt er ausgewählte Essays, Gespräche und Bilder ­Żmijewskis, die die Idee der künstlerischen Praxis, die er selbst auch »Angewandte Gesellschaftskunst« nennt, vorstellen und diskutieren.
Kunst als Alibi – damit ist eine von Żmijewskis Strategien benannt. In seinen Arbeiten rehabilitiert er die Idee der Wirkung von Kunst auf die Gesellschaft als Konzept autonomer Kunstproduktion. Dabei verzichtet er radikal auf eine Ästhetisierung der Wirklichkeit. Kunst ist für ihn vielmehr ein »Werkzeug«, ein »Mechanismus« und manchmal auch nur das »Alibi«, um politisch in die Welt eingreifen zu können. Er arbeitet mit MuseumsdirektorInnen, mit Frauen im Gefängnis, mit KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen.
Die Buchpräsentation fabd im Rahmen der Vernissage von Ursula Biemann und Group Show statt.

HS 2017

ZKK:Salon mit Aernout Mik

Am 18. Dezember 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Aernout Mik, einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler der Niederlande, kreiert begehbare Installationen, die sich an der Grenze zwischen Performance, Choreographie, Video und Skulptur situieren lassen. Seine mehrkanaligen Videoarbeiten werden auf Grossleinwänden in die architektonische Struktur integriert, bewegen sich also über das Filmische hinaus in das Räumliche, Mehrdimensionale. Die Menschen in den Videos treten den Zuschauern meistens in Lebensgrösse gegenüber, was die Begegnung mit dem Werk zu einer physischen Körper-zu-Körper-Begegnung werden lässt. Das Bild des stumm handelnden gemeinschaftlichen Körpers rückt so zwar ins Zentrum der Wahrnehmung, erscheint aber als fremd und wirkt zugleich ironisch und beunruhigend. Durch das verfremdete Mise en Scène der medialen Alltagsbilder erforscht Mik die Verfasstheit des kollektiven Körpers und übt auch Kritik an der globalen Gesellschaft, indem er soziale Hierarchien, politische Institutionen und ökonomische Beziehungen hinterfragt.

Neben der Präsentation ausgewählter Videoarbeiten führten Fabienne Liptay und Dorota Sajewska ein Gespräch mit Aernout Mik über das Archiv der kollektiven Gesten und das ästhetisch-politische Potential der Communitas.

 

ZKK:Salon mit Bartosz Konopka: »The Art of Disappearing«

Am 20.November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Der oscar-nominierte polnische Regisseur Bartosz Konopka zeigte seine hybride filmische Arbeit The Art of Disappearing, die teils Dokumentation, teils Phantasmagorie ist. In dem Film kommt ein haitianischer Voodoo-Priester, Amon Frémon, im Jahr 1980 ins kommunistische Polen. Er ist dem Ruf des mit ihm befreundeten Theaterreformers und Anthropologen Jerzy Grotowski gefolgt. Auf den 1981 ausgerufenen Kriegszustand reagiert Frémon mit einem Voodoo-Ritual, das an die in der polnischen Romantik kultivierten Riten zur Beschwörung von Toten erinnert. Mit einem Fokus auf das Medium des exzessiven Körpers werden in Konopkas Mocumentary Parallelen zwischen der politischen Geschichte Polens und der Haitianischen Revolution gezogen, um so den Blick des Fremden auf das Eigene auf eine surreal-mystische Weise zu reflektieren. Trailer anschauen

Im Anschluss an den Film  sprachen Dorota Sajewska und Ana Sobral mit Bartosz Konopka über den Ort der Haitianischen Revolution und die Rolle des schwarzen Körpers in der Geschichte der Emanzipation. 

 

Invented Skins mit Ricardo Aleixo: Performance-Lesung

Am 24. November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Krypta, Spiegelgasse 1, Zürich.

Der brasilianische Poet Ricardo Aleixo (Belo Horizonte, 1960) war mit einer Performance-Lesung zu Gast im Cabaret Voltaire. Aleixo ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen portugiesischsprachigen Dichter, durch dessen Kunst man sich den Dynamiken der brasilianischen Kultur annähern kann. Er ist Autor verschiedener Bücher wie A roda do mundo (1996), Máquina Zero (2004), Modelos Vivos (2010) und Antiboi (2017). Seine Werke wurde ins Deutsche, Spanische, Englische und Französische übersetzt.

Die performative Lesung fand im Rahmen des Symposiums Contaminación, contagio, síntoma statt, organisiert von Eduardo Jorge de Oliveira und Liliana Gomez-Popescu. Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ).

 

Invented Skins mit Age de Carvalho: Poesie als Fremdsprache

Am 17. November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, auf Portugiesisch und Deutsch.

Der brasilianische Dichter Age de Carvalho (Pará, 1958) lebt seit 1986 in Wien. Er ist Autor verschiedener Bücher wie Arquitetura dos ossos (1980), Ror (1980-1990), Caveira 41 (2003), Ainda: Em viagem (2015). Die Lesung seiner Gedichte legt die Ausdrucksform eines Poeten dar, der trotz seiner langjährigen Residenz in einem „fremden Land“ gewandt auf Portugiesisch schreibt. Ausgehend von de Carvalhos Werk stellt sich die Frage, ob die Poesie uns nicht wie eine permanent fremde Sprache erscheint.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ).

 

ZKK:Lecture von Mieke Bal: Clouded Judgments

Am 6. November 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Im Rahmen des Jahresschwerpunkts »Making-of« lädt das ZKK die renommierte Kulturanalytikerin und Filmemacherin Mieke Bal (Amsterdam) zu einem Vortrag und einem Workshop ein. Ausgehend von Hubert Damischs »Theorie der Wolke« widmet sich Bals Vortrag den Wolkenbildern des zeitgenössischen Künstlers Benoît Maire: Was sagt die Theorie zur Kunst – und wie antwortet die Kunst darauf?

 

»Sturm auf den Winterpalast«. Geschichte als Theater

Vom 24. September bis 25. Oktober 2017 (Eröffnung: Samstag, 23. September 2017, 18 Uhr) im Theater Gessnerallee (Nordflügel), Gessnerallee 8, Zürich. Geöffnet Dienstag bis Freitag von 16-20 Uhr, Samstag und Sonntag von 15-20 Uhr.

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmete sich die Ausstellung «Sturm auf den Winterpalast: Geschichte als Theater» jener Fotografie, die wie keine andere zum Symbolbild dieser  Revolution  geworden  ist:  dem  Sturm  auf  den  Winterpalast. Allerdings  stammt  das  Foto  nicht  vom  historischen  Ereignis  selbst, sondern von einem theatralen Reenactment, das 1920 vom Theaterregisseur Nikolaj Evreinov nachgestellt worden ist. Aus der Fotografie eines Theater ereignisses wurde ein ‚historisches Dokument’. Die  Ausstellung  präsentiere Filmaufnahmen  und  Fotografien  des Reenactments von 1920 sowie die Dokumentwerdung des Fotos in der sowjetischen Geschichtsschreibung,  in  Bildbänden,  Schulbüchern und  auf  Plakaten.  Zudem  wurden  Arbeiten  zeitgenössischer  Künstler gezeigt, die das Reenactment kommentieren.

Kuratiert von Inke Arns & Sylvia Sasse. Eine Ausstellung mit Arbeiten von Nikolaj Evreinov, Chto Delat, Waldemar Fydrych (Orange Alternative) u.a. Szenografie: Anton Lukas.

Eine Kooperation zwischen der Universität Zürich (Slavisches Seminar) und dem HMKV (Dortmund). Mit freundlicher Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Universität Zürich.

 

Meet the Curator: Mathieu Copeland

The Exhibition of a Film, CH 2014, 100 Min., E, DCP, Farbe

Am 21. September 2017 um 18 Uhr im Kino Xenix, Kanzleistrasse 52, Zürich.
Anschliessend Gespräch mit Fabienne Liptay, Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich, auf Englisch.

THE EXHIBITION OF A FILM ist nicht nur ein Film über eine Ausstellung, sondern eine Ausstellung an und für sich, und zwar im Kino. Mathieu Copeland entwickelte als Kurator in den vergangenen Jahren Konzepte und Praktiken, welche die gewöhnliche Rolle von Ausstellungen und ihre Wahrnehmung herausfordern. In THE EXHIBITION OF A FILM nimmt er sich des Kontexts und der Konventionen des Kinos an, indem er auf der Basis von Arbeiten unterschiedlicher Künstler ein Werk geschaffen hat, das gleichzeitig als »ausgestellter Film«, als »Film einer Ausstellung« und als »gefilmte Ausstellung« wahrgenommen werden kann. In Bezug auf das Kino als Medium und Ort stellen sich Fragen nach dem Objektstatus von Kunstwerken oder der Zeitlichkeit im Ausstellungskontext. Je nachdem, welche der drei möglichen Aspekte in den Blick rücken, eröffnen sich unterschiedliche Perspektiven: Dokumentiert der Film die ausgestellten Werke, oder werden sie durch die filmische Dokumentation überhaupt erst als Werke erschaffen und ausgestellt? Ist die Ausstellung Dokumentation oder Fiktion? Welche Rolle kommt dabei dem Zuschauer zu? Diese und weitere Fragen diskutiert Mathieu Copeland im Anschluss an die Vorführung von THE EXHIBITION OF A FILM mit Fabienne Liptay, Professorin für Filmwissenschaft an der Universität Zürich.
Eine Zusammenarbeit des Seminars für Filmwissenschaft und dem Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich mit dem Kino Xenix.

FS 2017

Invented Skins: Nuno Ramos' »Monolog für einen toten Hund« und »Soap Opera«

Am 3. Juni 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, in Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ).

Nuno Ramos' spektakuläre Aufführung Soap Opera dreht sich um Fragen des Animalischen. Eingeleitet vom Monolog für einen toten Hund (Monologo para um cachorro morto ) verwendet Ramos sowohl literarisches Erzählen als auch Operngesang, um das tragische Schicksal ausgesetzter Hunde in den Strassen von São Paulo anhand einer bekannten Seifenoper zu beleuchten. Beide Werke kreisen um die Metamorphose von Hunden im alltäglichen Leben.

Nuno Ramos (*1960) hat Philosophie an der Universidade de São Paulo studiert und ist als Maler, Zeichner, Bildhauer, Schriftsteller, Filmemacher, Bühnenbildner und Musiktexteschreiber tätig. Als Vertreter Brasiliens hat er 1995 an der Biennale di Venezia sowie an den Biennalen in São Paulo (1985, 1989, 1994 und 2010) teilgenommen und erhielt 2006 für sein Gesamtwerk von der amerikanischen Barnett and Annalee Newman-Stiftung den Grant Award. Ebenso veröffentlichte er als Schriftsteller u.a. Ó (2008), für das er den Preis Portugal Telecom de Literatura erhielt.
Der Abend mit Nuno Ramos bildete den Abschluss der LZZ-Tagung »Environmental Aesthetics after Landscape«.

 

Making-of: Werkstattgespräch und Screening mit Omer Fast und Tom McCarthy, moderiert von Fabienne Liptay

Am 20. Mai um 18.15 Uhr (Filmscreening) und 20.15 Uhr (Werkstattgespräch), Internationales Experimentalfilm- & Videofestival VIDEOEX, Kanonegasse 20. Ein zweites Screening findet am 25. Mai statt.

Als Filmemacher und Videokünstler thematisiert Omer Fast die Prozesse der Medialisierung von Erinnerung. Wiederholt sind es traumatische Erfahrungen, Erfahrungen des Krieges oder des Exils, die diesen Prozessen in Akten des Erzählens, des Improvisierens, Probens, Spielens und Nachspielens vor der Kamera unterliegen. Seine Filme erschaffen Welten, in denen die Grenzen zwischen persönlicher und öffentlicher Mitteilung brüchig werden. Im Modus des Making-of werden dabei die medialen Mechanismen sichtbar, die den Zugang zur gelebten Geschichte eröffnen sollen und ihn zugleich verstellen. Was geschehen und was gespielt ist, lässt sich in Arbeiten wie Spielberg’s List (2003), The Casting (2007), Nostalgia (2009) oder Continuity (2012/2016) kaum noch ausmachen. Angesichts der Filme von Omer Fast, schreibt der britische Schriftsteller Tom McCarthy, würden wir uns bewusst, „dass wir nicht länger so tun können, als seien wir authentisch – es bleibt uns nur, dem Wissen um die Inauthentizität auf immer höherem Niveau Geltung zu verschaffen“.

In Zusammenarbeit mit dem ZKK zeigt das Internationale Experimentalfilm & Videfestival VIDEOEX eine Auswahl seiner Filme. Im Anschluss an das Screening am Eröffnungsabend des Festivals findet ein Gespräch mit Omer Fast und mit Tom McCarthy statt, dessen Roman Remainder von Omer Fast 2015 verfilmt wurde. Zum VIDEOEX-Programm

 

Making-of: Werkstattgespräch mit Clemens von Wedemeyer und Sabeth Buchmann

Am 15. Mai 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, 8001 Zürich.

Für den Videokünstler Clemens von Wedemeyer stellt das Making-of eine eigene Form der künstlerischen Reflexion und Recherche dar. In der prekären Zone zwischen Inszenierung und Dokumentation suchen seine Arbeiten eine Auseinandersetzung mit historischen Orten und Ereignissen. Diese werden oftmals ganz explizit zu Schauplätzen von Dreharbeiten, in denen Möglichkeiten der Wiederholung von Geschichte erprobt werden. Auf der Basis von Materialien und Dokumenten rekonstruiert von Wedemeyer die Dreharbeiten des von Ulrike Meinhof geschriebenen Fernsehspiels Bambule, die er auf dem Gelände der Gedenkstätte von Breitenau nachstellt (Muster (Rushes), 2012), oder führt mit Aktivisten des Teatro Valle Occupato einen Streik von Statisten wieder auf, der sich während der Dreharbeiten von Ben Hur in den Filmstudios von Cinecittà (Procession, 2013) ereignete. Über seine Arbeiten spricht er mit Sabeth Buchmann (Professorin für Kunst der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der Bildenden Künste Wien), die im Frühjahrssemester 2017 zu Gast an der Universität Zürich ist und unter anderem zu Topoi und Verfahren der Probe lehrt und forscht.

 

Invented Skins: Ricardo Domeneck & Chacal

Am 28. April 2017 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich. In Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ).

Die Heroen der brasilianischen Lyrik-Performance Ricardo Domeneck und Chacal vermischen in ihren vielsprachigen Werken und Auftritten Lyrik, Musik und Performance. Dabei vertreten sie ganz unterschiedliche Generationen brasilianischer Lyriker. Chacal (*1951) ist ein Dichter-Aktivist, der in den 1970er Jahren im Kontext der marginal poetry begonnen und seitdem die Lyrik- und auch die Untergrundkunst- sowie Musikszene seines Heimatlandes stark beeinflusst hat. Als Mitbegründer des Kollektivs CEP 20.000 – Center of Poetic Experimentation hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht. Ricardo Domeneck (*1977) vertritt eine jüngere Generation, performt in zahlreichen Sprachen und verknüpft seine Lyrik dabei eng mit Musik und Performance.
Chacal und Ricardo Domeneck sind im Rahmen der internationalen Seminars »Biopoetics – Bioescritas« in Zürich zu Gast, einer Reihe von Begegnungen zwischen Lyrikern, Kunst- und Literaturkritikern in Zürich und Rio de Janeiro. Die Reihe »Invented Skins« findet in Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ) statt.
 

Carolyne Larrington: »Fimbulvetr is Coming: Old Norse Myth, Viking Culture and the Medievalism in Game of Thrones«

Am 1. März 2017 um 18.15 Uhr im Deutschen Seminar, Zürich, Raum SOD-101.

In this lecture, Professor Carolyne Larrington discussed how George R. R. Martin’s A Song of Ice and Fire novel series and the HBO TV show Game of Thrones draws on Old Norse myth and legend, and on popular imaginings about Vikings to create the North in the ‘Known World’ (as the world which contains Westeros and Essos is called). From wolves and ravens to frostgiants, from the draugar Undead to the sea-borne raiders of the Iron-Born, medieval Scandinavian traditions underlie the greatest threat to human civilisation in the series’ universe, and suggest some possibilities for the show’s rapidly approaching endgame.
Carolyne Larrington is Professor of Medieval European Literature at the University of Oxford.

 

Tschudi-Lecture 2017: Ticio Escobar (Asunción, Paraguay), »Other kinds of contemporary«

Am 3.03.2017, Universität Zürich, Rämistrasse 15, Aula (RAA-G-15), 19 Uhr. Eine Veranstaltungen des Lateinamerika-Zentrums Zürich (LZZ).

If we wanted to define the contemporary today, we would have to resort to figures of diversity which, albeit provisionally, could articulate different times and dimensions. Traditionally, the popular and, by implication, the indigenous, were devoid of a proper concept: both were defined, rather, by means of negation or dismissal, as the anti-hegemonic, the non-erudite, the marginal, the alternative, etc. Today, it is rather the art of avant-gardist, illustrated origins that has lost its denomination. Who is my contemporary? The question allows us to bypass the ethnocentric prejudice that only one kind of contemporary exists. In art, the contemporary is defined by its capacity to respond through signs, images and discourse to the questions raised by its present. The colonialist myth, according to which only Western art has access to the contemporary (by contrast with all other forms, which are always already condemned to anachronism) also prevents it from assuming the conflict into which art must enter towards its own actuality: in fact, the will to remain in discord and untimeliness is what moves much of contemporary art. The event will be held in Spanish.

Ticio Escobar is an art historian and anthropologist. Until 2008 he was founding director of the Museum for Indigenous Art - Center for Visual Arts at Asunción, from 2008 until 2013 he served as Paraguay’s Minister of Culture. His many books on indigenous/contemporary art, the philosophy of the aesthetic, and on democracy and postdictatorship have beeb published in several Latin American countries as well as Spain and the US.

HS 2016

»Rancho«. Eine Lecture-Performance von Veronica Stigger

Am Montag, 12. Dezember 2016, um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Veronica Stigger's lecture-performance is a playful experiment that mixes fictional with documentary evidence, and blurs the boundaries between both by taking Barthes and Foucault at their word about the »disappearance of the author«. Hers may be a crime story, or a mystery play, about the disappearance of an »author« to whom the lecturer may or may not be related, thus calling into question the very principles that underwrite so-called autofictional writing.  
Prof. Dr. Veronica Stigger (born in Porto Alegre, Rio Grande do Sul) is a Brazilian author, journalist, art critic and curator. She is currently working for the renowned Armando Alvares Penteado Foundation (FAAP) in São Paulo.

This event is a collaboration between the ZKK and the newly founded Latin America Center Zurich (LZZ) and the first one in the collaborative series »Invented Skins«.

 

ZKK:Lecture: »Der amerikanische Freund«

Von Prof. Dr. Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim)

Am 7. Dezember 2016, 16.15-17.45 Uhr, im Rahmen des Forschungskolloquiums am Seminar für Filmwissenschaft, Affolternstrasse 56, Raum AFL E-019, 8050 Zürich.

Im Verlauf der Spielzeit 2008 beobachtet und filmt Frederick Wiseman mit einem kleinen Team den Betrieb in der Pariser Opéra Garnier. Was dabei entsteht, ist »La Danse« (2009): ein Mosaik der Einstellungen und Szenen, das von Publikum und Kritik ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit erhält, in vieler Hinsicht aber so funktioniert wie die meisten Filme des Regisseurs Wiseman und deshalb auch Material bietet, dessen Arbeitsweise genauer zu kommentieren. Im Rahmen des Vortrags geschieht dies ausgehend von einer zentralen Gesprächsszene zwischen einigen Akteuren des Films, in der Prinzipien der In- und Exklusion von Beobachtungsinstanzen, die Lenkung von Blicken und die Abschirmung von Schauplätzen diskutiert werden.

 

Making-of: Werkstattgespräch mit Julian Rosefeldt und Burcu Dogramaci

Am 24.10.2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, moderiert von Fabienne Liptay.

Das Werkstattgespräch mit Julian Rosefeldt dreht sich um seine aktuelle Arbeit MANIFESTO (2015). Die Filminstallation besteht aus dreizehn inszenierten Situationen, in denen die Schauspielerin Cate Blanchett in unterschiedliche Rollen schlüpft, um Passagen aus rund sechzig Künstlermanifesten zu rezitieren. In dieser virtuosen Collage treten Texte von Filippo Tommaso Marinetti, André Breton, Kasimir Malewitsch, Yvonne Rainer, Guy Debord, Jean-Luc Godard, Jim Jarmusch und anderen Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts in einen vielstimmigen Dialog.

Die Kunsthistorikerin Burcu Dogramaci, Professorin an der LMU München, spricht mit Rosefeldt über das Spiel der Verwandlung, das Sprechen durch eine Maske und das Manifest als performativen Akt. Dabei wird es auch um das Making-of gehen, das parallel zur Filminstallation entstanden ist und das Manifest als eine ästhetische Wissensform zwischen Theorie und Praxis in den Blick rückt.

 

Making-of: Werkstattgespräch mit Thomas Julier

Am 10. Oktober 2016 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, moderiert von Elisabeth Bronfen und Fabienne Liptay.

Im Zentrum des Werkstattgesprächs mit dem Schweizer Künstler Thomas Julier stand sein Film DIETRICH (2015), eine Montage aus Filmaufnahmen von Marlene Dietrich. Konsequent wurden alle Einstellungen weggelassen, die ihre Spielpartner zeigen, so dass Marlene Dietrich hier vollkommen alleine für die Kamera zu posieren scheint. Auf diese Weise entstehen völlig neue Zusammenhänge, choreografierte Sequenzen aus Gesten und Blicken, die das Repertoire ihres medialen Körpers offenlegen. Was dadurch sichtbar wird, ist das Gemachte ihres Starimages, die kalkulierte Verwandlung der Schauspielerin in eine bewegte Erscheinung aus Licht und Schatten.

 

DADA im Norden. Ein Abend mit Kjartan Fløgstad und Sjón

Am Mittwoch, 5. Oktober 2016, um 18 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse1, Zürich. 

Am DADA-Firmament ist Skandinavien in der Regel durch einen weissen Fleck repräsentiert. Allenfalls Hjertøya und Lysaker finden als Exilorte von Kurt Schwitters Erwähnung. Ist der kühle Norden DADA-resistent geblieben? Genau darüber wollen wir uns mit zwei skandinavischen Autoren austauschen, die aus ihrer Vorliebe für DADA keinen Hehl machen. Der Abend wird eine bunte Mischung aus Lesung, Gespräch und Performanz bieten. Es werden nicht nur Texte von Sjón und Fløgstad gelesen, sondern auch Gedichte aus der frühen DADA -Bewegung in Skandinavien vorgetragen. Es ist Zeit, den Norden am DADA-Firmament erstrahlen zu lassen!

Kjartan Fløgstad, Poet, Essayist und Übersetzer, ist Grenzgänger in vieler Hinsicht; Kulturgeschichte, Lateinamerika, Sprachpolitik und Populärkultur sind nur einige der Gebiete, in denen er sich gesellschaftskritisch und mit Witz bewegt. Dadaistisches findet man bei ihm sowohl implizit wie explizit, zum Beispiel in den preisgekrönten Romanen Det 7. Klima (1986, Das 7. Klima) und Kron og Mynt  (1998, Krone und Münze bzw. Kopf und Zahl).

Sjón hat sich nicht nur als Liedtexter Björks, sondern vor allem mit seinen Romanen Skugga-Baldur (2003, Schattenfuchs), Rökkurbýsnir (2008, Das Gleißen der Nacht) und Mánasteinn. Drengurinn sem aldrei var til (2013, Der Junge, den es nicht gab) einen Namen gemacht. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Sjón als Performance-Lyriker debütierte, der sich an surrealistischen und dadaistischen Traditionen orientierte.

Die Schauspielerin Marietta Jemmi wird Texte der skandinavischen Avantgarden vortragen.

Die Veranstaltung wird vom Zentrum für Künste und Kulturtheorien (ZKK) in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Skandinavische Studien und dem Cabaret Voltaire organisiert. Organisation: Elisabeth Berg, Ursula Giger, Klaus Müller-Wille

FS 2016

»Zones of Ambiguity in Contemporary German Art and Literature«

Konferenz, organisiert von Frauke Berndt

Vom 19.-21.05.2016 im Deutschen Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich.

Bereits seit dem späten 19. Jahrhundert gilt Ambiguität als wesentliche Eigenschaft der Bildenden Kunst und der Literatur. Die medienspezifischen Formen der Ambiguität haben sich aber mit Beginn der 1970er Jahre erheblich verändert. Im Rahmen der Konferenz soll zum einen das Spektrum der verschiedenen Formen von Ambiguität in deutschsprachigen Literaturen und Künsten der Gegenwart erforscht werden. Zum anderen soll ein Fokus auf den Bereich gelegt werden, den die kommunikativen, ästhetischen und politischen Dimensionen von Ambiguität miteinander teilen. Dessen Profilierung leistet der aus der Phänomenologie stammende Begriff der Zone, der in diesem Kontext einen Bereich mit bevorzugtem Ambiguitätseinsatz und entsprechender Ambiguitätserwartung bzw. -toleranz bezeichnet. In diesem Bereich ist Ambiguität kein kontingentes, sondern ein konstitutives Merkmal, das weniger die semantischen Strukturen als vielmehr die dynamischen Prozesse der Produktion und Rezeption von Ambiguität im gesellschaftlichen Kontext thematisiert. Mit Hilfe des Begriffs der Zone können die engen rhetorischen und linguistischen Klassifikationen von Ambiguität ohne Rückgriff auf den weiten Ambiguitätsbegriff der rezenten Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften ergänzt werden.

 

Tristan Weddigen: »Transkulturelle Kunstgeschichten«

Eine Kooperation mit dem Studienprogramm Kulturanalyse der Universität Zürich.

Am 9.05.2016 von 16.15-18.00 Uhr im Deutschen Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich, Hörsaal SOD-1-104.

Der Vortrag untersucht die Rezeption deutschsprachiger Kunstwissenschaft in Lateinamerika am Fallbeispiel der Aneignung der »Kunstgeschichtlichen Grundbegriffe« Heinrich Wölfflins von 1915, des einflussreichsten Kunsthistorikers seiner Zeit, durch den argentinischen Architekten und Theoretiker Ángel Guido in den 1920er bis '40 Jahren. Daran, dass Guido die neueste Stilgeschichte als wahrnehmungspsychologische »Naturgeschichte des Sehens« für die Konstruktion einer postkolonialen, indigenistischen und nationalistischen Kunstgeschichte und Ästhetik der Moderne einsetze, lässt sich eine transnationale Wissenschaftsgeschichte als Migration und Hybridisierung der Ideen entwerfen.

 

ZKK:Werkstattgespräch mit Artur Żmijewski und Dorota Sajewska, moderiert von Fabienne Liptay

Am 22.04.2016 um 20 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Artur Żmijewski gehört zu den bedeutendsten Vertretern der politischen Gegenwartskunst. Seine Filme, Fotografien und Performances erproben Szenarien der sozialen Interaktion. Sie öffnen Räume des Denkens und des Handelns, in denen die Kunst auf die Gesellschaft ausgreift, um ihre Verhältnisse neu zu organisieren. Im Zentrum des Gesprächs zwischen dem Künstler und der polnischen Kulturwissenschaftlerin Dorota Sajewska steht die Videoarbeit The Making of (2013), die aus Workshops in einem Frauengefängnis bei Warschau hervorgegangen ist. Ausgehend von dieser Arbeit werden praktische und theoretische Konzepte künstlerischer Produktion erörtert. Worin besteht die politische und soziale Wirksamkeit von Kunst? Wie lässt sich dieser Anspruch begründen? In welchem Verhältnis stehen hierbei künstlerische Praxis und theoretische Reflexion?
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Galerie Peter Kilchmann statt. Sie eröffnet das Programm des Jahresschwerpunkts „Making-of“ im ZKK.

HS 2015

Vortrag von Jens Andermann
über Installationen und Performance-Aktionen in der lateinamerikanischen Gegenwartskunst

Am 14. Januar 2016 im Migros Museum für Gegenwartskunst, Limmatstrasse 270, 8005 Zürich.

Jens Andermann spricht in seinem Vortrag über Installationen und Performance-Aktionen in lateinamerikanischer Gegenwartskunst, in denen Landschafts-Räume und Ikonographien der Natur kritisch oder subversiv ins Spiel gebracht werden.
Jens Andermann ist Professor für Lateinamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Zürich. Er studierte Lateinamerikanistik sowie Komparatistik und Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin. Ausserdem war er Professor für Latin American and Luso-Brazilian Studies am Birkbeck College der University of London. Zu seinen Veröffentlichungen gehören New Argentine and Brazilian Cinema: Reality Effects (2013) und Images of Power: Iconography, Culture and the State in Latin America (2003).
 

ZKK:Buchpräsentation von Elisabeth Bronfen, im Gespräch mit Johannes Binotto
»Mad Men, Tod und der Amerikanische Traum«

Am 14. Dezember 2015 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.

Elisabeth Bronfens neuestes Buch widmet sich der meistbejubelten und bekanntesten unter den sogenannten Qualitätsserien: »Mad Men« (2007–2015). Die Serie ist eine hochwirksame Zeitkapsel, die ins Herz der US-amerikanischen Gesellschaft und Kultur der 1960er Jahre führt. Visuelle Kultur, Musik, Mode, Familienbild, Geschlechterverhältnisse, gesellschaftliche und politische Situation der Zeit werden auf geradezu unheimliche Weise lebendig. Der prototypische Aufstieg eines Werbegenies mit dunkler Vergangenheit zeichnet das Modell der Selbstperfektionierung nach, wie es zentral für den amerikanischen Traum ist. Dass ausgerechnet eine Werbeagentur den Dreh- und Angelpunkt bildet, entlarvt die angestrebten Ideale von Familie und persönlichem Glück als symbolische Fiktionen, mit denen die »Kreativszene« unentwegt das kollektive Begehren bedient. »Mad Men« ist ein Schlüsselroman auf DVD: individuelle Geschichte und Kommentar zur Lage der Nation, zeithistorisches Sittenbild, Zerrspiegel des Heute und nicht zuletzt eine intelligente Selbstreflexion über die Rolle des Fernsehens.
Im Gespräch mit Johannes Binotto wird Elisabeth Bronfen über serielles Erzählen in der visuellen Kultur sowie in Quality-TV-Serien diskutieren, wird über die Entstehung des Buches sprechen und gemeinsame Seherfahrungen thematisieren, wozu auch die ein oder andere Szene aus der Serie gezeigt wird.
 

ZKK:Workshops zu Serialität

Im Rahmen von drei intimeren Workshops und einer Buchpräsentation wird es von Oktober bis Dezember 2015 nicht nur um Themen des seriellen Erzählens, um Reihe und Serie in der visuellen Kultur sowie in Quality-TV-Serien aus einer stärker filmwissenschaftlichen Perspektive gehen, sondern auch um literaturwissenschaftliche Rückblicke aus der Gegenwart, um serielle Erzähl- und Erkenntnisformen in der Literatur früherer Epochen. Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen.

Daniel Müller-Nielaba: »Schriftmetaphorik und Medienkritik in ›Game of Thrones‹«, 14.10.2015, Englisches Seminar, Plattenstrasse 47, 18.15 bis 20 Uhr.
Ana Sobral: »Seriality in Rap Music«, 04.11.2015, Englisches Seminar, Plattenstrasse 47, 18.15 bis 20 Uhr.
Mark Sandberg: »›An Unusual Attention to Detail‹: Design Fetishism in Recent ›Period‹ Serial Television Dramas«, 02.12.2015, Englisches Seminar, Plattenstrasse 47, 18.15 bis 20 Uhr.
 

ZKK:Lecture von Rembert Hüser
»Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands«

Am 7. Dezember 2015, 18.15 bis 20 Uhr, im Englischen Seminar, Plattenstrasse 47.

Heiligabend 1969 hatte man in den deutschen Fernsehern im Bereich des WDR plötzlich die Bescherung: Gegen Sendeschluß konnte man erste Feuer sehen. Es brannte genau drei Minuten, man sah Holzscheite, dann, Schnitt, das Testbild. Weihnachten 1969 gegen Sendeschluß brannte es wieder. Weiter. Wieder drei Minuten. Das Feuer baute sich auf. Testbild. Und so weiter. Bis Silvester. Dann war das Feuer verglüht. Neues Jahr. Jan Dibbits TV as a Fireplace, 16mm, in Farbe, ohne Kommentar mit starrer Kamera und zuvor nicht angekündigt, war als ein Teil von Gerry Schums Fernsehgalerie eines der ersten Kunstprojekte im deutschen Fernsehen.
Die Führerstandsmitfahrten der ARD zwischen 1995 und 2013, nachts vor dem Testbild zunächst 10 bis 20 Minuten lang vorne in der Lok ohne Kommentar mit starrer Kamera über die schönsten Strecken – Kaminfeuer gibt es bereits als Bildschirmschoner zu kaufen –, waren mit die bislang letzten Filme dieser Art, auch wenn sie kein Kunstprojekt mehr waren. Eingeführt kurz vor der offiziellen Abschaffung des Testbildes, überlebten sie die Umstellung vom analogen zu digitalen Signal und sind heute ein beliebtes YouTube-Genre.
Der Vortrag nimmt historische Beispiele des Encounters nicht-narrativer Fernsehformate mit der Konzeptkunst zum Ausgangspunkt, um über die verschiedenen Zeitschichten, imaginären Landschaften und die systematische Selbsterschöpfung (Bochner) der Serialität im Fernsehen an eben der Stelle nachzudenken, die einmal das Programmende markierte.
 

Hans-Thies Lehmann: Der Kunst fehlt es an Vergänglichkeit

Reflexionen über postdramatisches Theater und Performance

Am 26. und 27. November 2015 in der Abteilung für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL), Plattenstrasse 43, 8032 Zürich, organisiert von Sandro Zanetti.

Am 26. November 2015 um 18:15 Uhr hält der Germanist, Komparatist und Theaterwissenschaftler Prof. em. Dr. Hans-Thies Lehmann einen Vortrag in der Abteilung für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL), Plattenstrasse 43, 8032 Zürich. Hieran schliesst sich am 27. November 2015 von 10:00 bis 11:40 Uhr ein halbtägiges Seminar auf der Grundlage von Peter Szondis Text „Über philologische Erkenntnis“ an. Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Doktoratsprogramm Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL), dem Doktoratsprogramm „Deutsche und Nordische Philologie“ am Deutschen Seminar und dem Zentrum Künste und Kulturtheorie (ZKK).
 

Der Kubus und das Gesicht. Im Umkreis einer Skulptur von Alberto Giacometti

Vortrag und Buchvernissage mit Georges Didi-Huberman, organisiert von Dieter Mersch.

Am 22. September 2015 um 19 Uhr in der Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal, Hörsaal 1, Ebene 3, Pfingstweidstrasse 96, Zürich.

Die Skulptur »Der Kubus« von Alberto Giacometti wirft in ihrer Ambivalenz vor allem Rätsel auf: Denn Cube ist kein Kubus, sondern ein Polyeder, und er trägt ein Gesicht. Giacometti nannte den Kubus seine einzig abstrakte Arbeit; er bezeichnete ihn sogar als gescheitert. Georges Didi-Huberman zeigt daran, dass die Spannung zwischen dem Kubischen (oder der Abstraktion) und dem Gesicht (oder der menschlichen Figur) als zentrales Problem Giacomettis Werk bestimmt. So deutet er das Oeuvre Giacomettis durch eine einzige Arbeit neu und setzt es neu in Beziehung: zum Surrealismus, zum Entwurf, zur Abstraktion, zur Zeichnung, zum Volumen, zur Melancholie, zum Grab. Diese Auseinandersetzung mit Giacometti entwirft die Grundzüge von Didi-Hubermans eigenem Denken: die vermeintlich abstrakte Minimal Art vom Körper und der Sterblichkeit her zu deuten; seine Mobilisierung des strukturellen Potentials der Psychoanalyse; die Methode, durch die Bilder und die Kunst hindurch zu denken. Der Band stellt so auch einen entscheidenden Zugang zum Denken Didi-Hubermans dar.

Georges Didi-Huberman; Mira Fliescher und Elena Vogman (Hg.): Der Kubus und das Gesicht. Im Umkreis einer Skulptur Alberto Giacomettis. Aus dem Französischen von Esther von der Osten, Zürich, Berlin: Diaphanes 2015.

FS 2015

ZKK:Rereading

„Das Lachen ist ein großer Revolutionär“.
Michail M. Bachtins Dissertationsverteidigung im Jahr 1946

Mit Lars Kleberg, Michail Ryklin, Sylvia Sasse u.a.

Am 11. Mai 2015 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Lachen befreit von der Angst, und Lachen macht Angst. Es ist weder kulturenübergreifend akzeptiert noch generationen- und epochenübergreifend verständlich. Satiren, Karikaturen, Parodien sind wieder verstärkt Auslöser für Zensur, Verbote, Gerichtsverfahren und Terrorakte. Dass Lachen Angst macht, zeigen vielfach die Reaktionen auf Michael Bachtins Studie über die Lachkultur in Mittelalter und Renaissance Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur: In der Sowjetunion wurde Bachtins Buch als Angriff auf die revolutionäre Kraft des Volkes und als Verharmlosung des Klassenkampfes gelesen. Im heutigen Russland gilt Bachtins Karnevalstheorie als Angriff auf die Kirche, die sich durch das karnevalistische Weltbild in ihren Grundfesten erschüttert sieht.
Das ZKK:Rereading stellt Auszüge aus Bachtins Dissertationsverteidigung von 1946 vor. Wir wollen anschliessend darüber diskutieren, wie aktuell Bachtins Thesen noch sind und wie sich die Angst vor dem Lachen heute artikuliert.
Als Begleitpublikation erscheinen die Protokolle der Disputation in deutscher Erstübersetzung.
 

ZKK:Salon

Life Forms: Biotechnology and Aesthetics in the Art of Eduardo Kac

Mit Eduardo Kac, Jens Andermann und Marcelo Sánchez

Am 13. März 2015 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Der brasilianische Performance- und Medienkünstler Eduardo Kac ist vor allem durch seine polemischen ‚transgenetischen Projekte’ weit über die Kunstwelt hinaus bekannt geworden. Diese basieren auf genetischen Interventionen in lebenden Organismen, mittels derer Kac, wie bei dem ‚Leuchtkaninchen’ GFP Bunny (2000), ein grün fluoreszierendes Tier züchten lässt oder, wie in Genesis (1999,) den biblischen Schöpfungstext mittels eines Morsecodes in eine genetische Sequenz übersetzt. Hier wie auch in Kac’ früheren ‚Telepräsenz’-Arbeiten wird überdies das Publikum sowohl vor Ort wie auch über Internet und andere Kommunikationstechnologien in den Ereigniskontext des Werkes einbezogen. So verändert und erneuert sich das Werk – wie die mutierenden Bakterien in Genesis – im Hinblick auf die Publikumsreaktionen. Kac wirft damit zugleich ästhetische, ethische und politische Fragen auf: Kann und muss Kunst das ‚kreative’ Potential von Biotechnologie und Genetik ausloten? Wäre dies, wie Vilém Flusser und andere suggerieren, sogar der Schlüssel zur Realisierung des avantgardistischen Traums der Verschmelzung von Kunst und Leben? Oder sollte uns der Künstler aus Sicht seiner kreativen Praxis vielmehr vor den ethischen und politischen Gefahren der Gentechnik warnen?
Gegenüber diesen Fragen ist die Beschäftigung mit Kac’ Kunst als Antwort auf und Fortführung von postkonkretistischen, Ambient- und Performance-Tendenzen in der lateinamerikanischen Gegenwartskunst oft in den Hintergrund getreten. Realzeit-Habitats und organische Materialien finden sich auch bei zahlreichen anderen Künstlern wie Luis Fernando Benedit, Nicola Constantino, Nuno Ramos oder Teresa Margolles; Kac selbst hat auf die brasilianischen Künstler Lygia Clark, Hélio Oiticica und Flávio de Carvalho als wichtige Inspirationen für sein eigenes Schaffen verwiesen.
Im Rahmen des ZKK:Salons, den Sie hier nachhören können, haben Jens Andermann, Professor für lateinamerikanische Literatur und Kunst, und Marcelo Sánchez, Professor für Paläontologie und Experte für evolutionäre Morphologie an der Universität Zürich, mit Eduardo Kac über Bio-Art und ihre Implikationen und Bedeutung diskutiert. Sind lebende Gebilde wirklich Kunstwerke, und was unterscheidet diese von nicht-künstlerischen transgenic objects im Labor und im Alltag? Wie verhält sich transgenic art zu (latein-)amerikanischer Landschaftskunst und zur Vorstellung der Neuen Welt als Hort und Archiv des Natürlichen von den Anfängen der Kolonisierung bis zu aktuellen Diskursen über Umweltschutz und Biodiversität? Ist eine Kunst über die Grenzen der Spezies Mensch hinaus überhaupt denkbar?
Der ZKK:Salon ist eine Kooperation mit dem SNF-Projekt “Modernity and the Landscape in Latin America: Aesthetics, Politics, Ecology”.

Außerdem findet am 12. und 13. März 2015 ein zweitägiger Workshop für Doktorierende und Interessierte zur Bio-Kunst und der Krise der Natur in Zusammenarbeit mit dem Interuniversitären Doktoratsprogramm Iberoromanistik statt. Ko-Referent ist Gabriel Giorgi, Professor für Spanisch und Portugiesisch an der New York University und Autor zahlreicher Bücher über Biopolitik, die Beziehung zwischen Menschen und Tieren sowie über nicht-normative Körper in lateinamerikanischer Kunst und Literatur.

HS 2014

ZKK:Lecture

Recessional – or, The Time of the Hammer

Von Tom McCarthy

Am 8. Dezember 2014 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Der Kultautor und Literaturtheoretiker Tom McCarthy untersucht in seiner ZKK:Lecture die Begrifflichkeiten von Absätzen, Abständen und Zwischenräumen. Oft als neutral oder unproduktiv wahrgenommen, weisen sie ganz im Gegenteil auf das – ästhetische wie politische – Zentrum hin, auf die Literatur selbst.
Neben seinen oft kontrovers rezipierten und preisgekrönten Romanen Remainder (2005), Men in Space (2007) und C (2010) hat McCarthy auch ausgefallene literaturtheoretische Texte veröffentlicht. Hierzu zählen ein Essay über Exkremente im Werk von James Joyce oder Tintin and the Secret of Literature, in welchem er Hergés Les aventures de Tintin mittels strukturalistischer und poststrukturalistischer Literaturtheorie, vor allem von Jaques Derrida und Roland Barthes, zu lesen versucht. Bevor er mit seinen literarischen Werken international Erfolg hatte, gründete er 1999 das semi-fiktive Avantgarde-Netzwerk International Necronautical Society (INS), das sich „mind-bending projects“ widmet, „that would do for death what the Surrealists had done for sex“.
 

ZKK:Rereading

La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale

Von und mit Matteo Bertelé und Sandra Frimmel

Am 20. Oktober 2014 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Das ZKK:Rereading La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale rekonstruiert die Debatten rund um eine hochpolitisierte Ausstellung: Die sogenannte Dissens-Biennale (Biennale del dissenso culturale) fand 1977 in Venedig anlässlich des 60. Jubiläums der Oktoberrevolution statt. Sie hatte den Anspruch, das Phänomen des Andersdenkens als Alternative zur offiziellen Ästhetik und Ideologie in den sozialistisch-kommunistischen Ostblockstaaten zu untersuchen. Dieses Vorhaben sorgte bereits lange vor der Eröffnung der Biennale für politische Missstimmung. Die Sowjetunion protestierte dagegen, dass eine inoffizielle Kultur, die im Land selbst von den offiziellen Institutionen nicht anerkannt wurde, im Ausland als repräsentativ gezeigt werden sollte. Nach der Eröffnung der zentralen Kunstausstellung La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale (Die neue sowjetische Kunst: eine inoffizielle Perspektive) waren die politischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Italien schließlich derart angespannt, dass die Sowjetunion mehrere Jahre nicht an der Biennale di Venezia teilnahm.
Anhand teilweise bisher unveröffentlichter Archivdokumente und neu entdecktem Bildmaterial kommen in diesem ZKK:Rereading die Organisatoren der Biennale, die beteiligten Künstler und Kuratoren, Kritiker und Journalisten sowie Vertreter der sowjetischen Kultur- und Außenpolitik zu Wort, sodass ein aufschlussreicher Dialog über empfundene und tatsächliche, künstlerische und politische Provokation entsteht.

FS 2014

ZKK:Salon

Künstlerische Forschung

Ein Gespräch zwischen dem Theatermacher Milo Rau und den Philosophen Jens Badura und Dieter Mersch, moderiert von Sylvia Sasse

Am 13. Oktober 2014 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Seit mehr als zehn Jahren ist „artistic research“ ein Schlagwort in den Künsten und ein Schreckgespenst für so manche Geisteswissenschaftler. Mittlerweile gibt es eine Society for Artistic Research (SAR) und ein Journal for Artistic Research, in dem Künstler und Wissenschaftler publizieren. Die Idee der Akteure ist es, nicht nur den Praktiken einiger Künstler ein Label zu geben, sondern den Beitrag der Künste für Forschung und Theoriebildung ganz generell herauszustellen. Was, so unsere Frage, macht Forschung, Experiment, Wissensproduktion für die Gegenwartskunst so interessant? Und was hat der Trend der künstlerischen Forschung mit der Wissensgeschichte zu tun, mit dem parallelen Boom in den Geisteswissenschaften?
 

ZKK:Salon

Denkt Kunst

Ein Gespräch mit Elisabeth Bronfen, Peter Geimer und Dieter Mersch, moderiert von Sylvia Sasse

Am 7. April 2014 um 19 Uhr im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich

Denkt Kunst! Das bedeutet, sie zuallererst angemessen denken zu lernen – das heisst, in Begriffen und Argumenten zu fassen, was sich vorderhand nicht in Form von Begriffen, sondern in Wahrnehmungsgestalten, Figuren, Klängen, Rhythmen und Konstellationen artikuliert. Denkt Kunst? Das bedeutet im Gegensatz dazu, die Frage zu stellen, ob die Kunst eine eigene, von den Wissenschaften zu unterscheidende Weise des Denkens darstellt, ob sie womöglich ein anderes, unbegriffliches Wissen generiert. Mehr noch: Gehört die Frage nach dem Denken zur Philosophie, gibt es vielleicht eine geheime, zwischen Künsten und ihren Wissenschaften geteilte Gemeinsamkeit, eine von beiden auf je besondere Art betriebene Praxis der Reflexion? Das sind die Fragen, die dem Gespräch zwischen Elisabeth Bronfen, Peter Geimer und Dieter Mersch, moderiert von Sylvia Sasse, zugrunde liegen.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt einer Serie von Vorträgen, Workshops, Streitgesprächen und Interventionen des neu gegründeten Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) der Universität Zürich.