Tagungen

Literarische Glokalisierung / Glocalisation littéraire / Literary Glocalization

Jahrestagung 2020 der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (SGAVL)

23. April 2021, via Zoom. Tagungsprogramm (PDF, 364 KB)

Der Begriff der Glokalisierung wurde vor rund dreissig Jahren in der Soziologie und in der Ökonomie eingeführt, um die wechselseitige Verbindung globaler Finanztransaktionen und Steuerungsprozesse mit lokalen Produktions- und Distributionsstrukturen zu beschreiben. Der Begriff zielte und zielt auf eine Kritik an einem Verständnis von Globalisierung, in dem die Bezüge zu den lokalen Grundlagen und Auswirkungen ausgeblendet werden. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist Microtargeting die Antwort auf die möglichen Schwächen einer solchen Ausblendung. Mit dem Slogan „Think globally, act locally“ – oder der weiterverbreiteten merkwürdigen Kurzform „Think global, act local“ – wurde dagegen bereits seit den 1970er-Jahren eine Kritik an einer rein ökonomischen Sicht auf das Verhältnis von lokalen Handlungsräumen und globalen Wirkungszusammenhängen formuliert.
Abhängig von der jeweiligen Begriffspolitik verbinden sich inzwischen mit dem Begriff der Glokalisierung sehr unterschiedliche Prägungen und Schattierungen. An der SGAVL-Jahrestagung dient der Begriff der Glokalisierung in allererster Linie dazu, das Feld möglicher Bezüge zwischen lokal oder regional verankerten Produktions-, Distributions-, Reflexions-, Habitualisierungs- und Rezeptionsprozessen und den globalen oder zumindest überregionalen Prägungen- und Vernetzungen dieser Prozesse zu beschreiben: und zwar mit Blick auf die Literatur. Drei Gesichtspunkte lassen sich dabei unterscheiden. 1) Kommunikationssoziologischer und -technischer Gesichtspunkt: Wie zirkuliert Literatur auf translokalen bzw. globalen Kommunikationswegen zwischen lokalen Produktions- und Rezeptionsorten? 2) Poetologischer Gesichtspunkt: Wie wird in der Literatur das Verhältnis zwischen lokalen Bezügen und translokalen bzw. globaler Vernetzung reflektiert? 3) Literaturtheoretischer Gesichtspunkt: Eignet sich Literatur besonders zur Reflexion solcher Bezüge (auch jenseits der Literatur)?
Die Motivation zum Thema dieser Tagung liegt darin, dass die komparatistische Forschung sich zwar ausführlich und kritisch mit dem Begriff der Weltliteratur auseinandergesetzt hat, die möglichen Bezüge zwischen der Welt – oder dem Globus, der Erde, dem Planeten – und den lokalen und regionalen Besonderheiten, nicht zuletzt den sprachlichen Besonderheiten, weitgehend ungeklärt geblieben sind. Da die Literatur aufgrund ihrer Medialität immer sowohl auf konkrete lokale Produktions- und Rezeptionsorte angewiesen ist, um sich formieren und reformieren zu können, und zugleich diese Orte hinter sich lassen muss, um für eine potentielle Vielzahl von Leserinnen und Lesern relevant werden zu können, dürfte sich die Literatur – so die These, die an der Jahrestagung diskutiert werden wird – besonders dazu eignen, von sich aus einen Beitrag zur aktuellen Weltliteratur-, aber auch zur Globalisierungs- bzw. Glokalisierungsdebatte zu leisten.

Organisation: Philippe P. Haensler, Stefanie Heine, Sandro Zanetti

Taking Measures. Usages of Format in Film and Video Art

Video Symposium in cooperation with Migros Museum für Gegenwartskunst

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The international video symposium fosters a dialog between art and research. Filmmakers, artists, researchers and scholars enter into creative and experimental conversation with each other about the usages and understandings of formats in film and video art.
The focus is placed on artistic media and practices in which the technologies and ideologies of measurement, their many validity claims and areas of application are addressed. The title of the symposium—Taking Measures—should be understood in its double meaning: as a reference to the practices of measurement related to the use of artistic media as well as to the political potential of power and resistance that results from these practices. With contributions by and conversations with Fabrice Aragno, Kris Dittel, Burcu Dogramaci, Monika Dommann, Carla Gabriela Engler, Omer Fast, Philipp Fleischmann, Ursula Frohne, Dani Gal, Alexandra Gelis, David Joselit, Thomas Julier, Fabienne Liptay, Jacqueline Maurer, Alexandra Navratil, Warren Neidich, Volker Pantenburg, Hannes Rickli, Benoît Turquety, Marijke van Warmerdam, Clemens von Wedemeyer, Laura Walde, Haidee Wasson, Eyal Weizman.
The video symposium is hosted by Fabienne Liptay, Laura Walde and Carla Gabriela Engler (University of Zurich) in cooperation with Nurja Ritter and Nadia Schneider Willen (Migros Museum für Gegenwartskunst). It is funded by the Swiss National Science Foundation as part of the project «Exhibiting Film: Challenges of Format».

Women, Money, Markets: Female Economy

9.–11. Juni 2021, genaue Angaben folgen

As in previous years, the conference will address women’s relationship to money and their participation in trade, banking, finance, forms of investment, speculation, gambling, consumerism, business and household management, wage labour, care work, charity and various other practices of exchange. The conference is interdisciplinary in nature, bridging literature, material culture, gender studies, economic history and feminist economics, and aims to relate the debates of past periods to modern-day issues concerning the presence and position of women in the economy and media. While we welcome submissions on a wide range of topics connected to women’s involvement in the marketplace and finance, we particularly invite contributions – whether literary, historical or economic – to this year’s conference theme “Female Economies”. This can include the particular ways in which women participate in the traditional economy as well as economic domains in which women have been particularly active and influential. Yet we are also interested in feminine economic activities and areas which have long been overlooked and which have not been regarded as economically relevant in classic economics, including the marriage market, care work, household management, philanthropy or the exchange of gifts. At the same time, the theme can also be taken to refer to the textual economies developed by women authors addressing economic topics, including the textual genres (literary and non-literary) used by women writing about economic issues and concerns. Of equal interest is the role played by women in economic thought, the formation of economic theory and the historiography of capitalism.

Conference Organisers: Professor Barbara Straumann, English Department, UZH Dr Eva Brugger, History Department, UZH Olivia Biber, M.A., English Department/Gender Studies, UZH

Celans Theorie der Dichtung heute

Eine Tagung anlässlich des 100. Geburts- und 50. Todesjahres Paul Celans

10.–12. Juni 2021, genaue Angaben folgen

Über den gesamten Zeitraum seines dichterischen Schaffens reflektierte, positionierte und begleitete Paul Celan (1920-1970) seine dichterischen Grundannahmen und Manifestationen in theoretischen Texten, Notizen, Materialsammlungen und Briefen. Es ging ihm dabei nicht um Interpretations- und Verständnisfragen einzelner Gedichte oder Gedichtbände, sondern darum, das Selbstverständnis und die Aufgabe der eigenen Dichtung sowie der Dichtung als solcher immer wieder von neuem zu befragen. Dabei liegt Celans Theorie der Dichtung nicht in geschlossener oder systematischer Form vor, sondern sie besteht aus einzelnen Vorstössen, Merksätzen und Bruchstücken. Es handelt sich um theoretische Ansätze, deren – dialogische, zeitdurchgreifende – Unabgeschlossenheit allerdings zu ihrem Prinzip gehört und daher wesentlich für sie ist. Die Tagung fragt nach der anhaltenden Aktualität von Celans Theorie der Dichtung heute.

Organisiert von der Abteilung für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Zürich.

Ethische Praktiken in ästhetischen Theorien des 18. Jahrhunderts

28.-30. April 2022, Universität Zürich

Mit Vorträgen von Frauke Berndt, Elisabeth Décultot, Johannes Hees, Beate Hochholdinger-Reiterer, Stephan Kammer, Boris Previsic, Marius Reisener, Carolin Rocks, Ralf Simon, Oliver Simons, Gabriel Trop, Peter Wittemann u.a.

Organisiert von Frauke Berndt, Carolin Rocks, Johannes Hees und Marius Reisener