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Filmische Zeitlichkeiten: Formate, Dispositive, mediale Räume

12.-14. September 2019, Universität Zürich, Rämistrasse 59, RAA-G-01 (Aula)

Die Veranstaltung widmet sich in vier thematischen Sektionen den vielgestaltigen und vielschichtigen Zeitlichkeiten des Films. Mit dem Fokus auf Formate, Dispositive und mediale Räume sollen über produktions- wie rezeptionsästhetische Zugriffe Aspekte filmischer Medialität in den Vordergrund rücken, die spezifische Formen der Zeitlichkeit des Films als Historizität kenntlich und erfahrbar machen: eine Historizität, die sich durch Koppelung von Heterogenem und Ungleichzeitigem in einer medialen und materialen Hybridität zeigt oder die, im Gegenteil dazu, über ein System von komplexen Selbstverweisen oder über die Standardisierung des Masstabs in einem dem Film eigenen Raum-Zeit-Gefüge durchscheint. Immer werden mittels dieser verschiedenartigen filmischen Prozesse und Praktiken sowohl filmgeschichtliche wie weltgeschichtliche Verhältnisse verhandelt, werden alltägliche Wahrnehmung, Erfahrung und Erkenntnis herausgefordert, wird das individuelle Zuschauersubjekt oder das Publikum als soziales Kollektiv, als Gesellschaft in seiner historischen Zeitlichkeit situiert.

Keynote-Speakers: Prof. Dr. Erica Carter (London); Prof. Dr. Michale Gamper (Berlin); Prof. Dr. Mary Ann Doane (Berkeley); Prof. Dr. Michale Wedel (Potsdam/Berlin). Programm ansehen.

Organisiert im Rahmen des interuniversitären Doktoratsprogramms »Visuelle Dispositive« (UZH / UNIL) von Jessica Berry, Josephine Diecke, Marius Kuhn, Margrit Tröhler und Daniel Wiegand anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Seminars für Filmwissenschaft.

Welt Wollen – Gottfried Kellers Moderne (1819-1890)

Vom 23.-25. Mai 2019 am Deutschen Seminar der Universität Zürich, organisiert von Frauke Berndt und Philipp Theisohn

Der Zürcher Kongress aus Anlass des 200. Geburtstags Gottfried Kellers unternimmt den Versuch, eines der bedeutendsten literarischen Laboratorien der Moderne neu zu entdecken. Nicht nur die Zeitgemässheit, d.h. die historische Kontextualisierung, sondern vor allem der Anachronismus, die ‹Zukünftigkeit› von Kellers Werk sollen im Zentrum der Diskussionen stehen: Welche Linien führen aus der Welt, die Keller nicht mehr erlebt hat, direkt zurück in seine Manuskripte, zu seinem Wissen, zu seinen Erzählungen und zu seinen Medien? Mit welchen ästhetischen, poetologischen und epistemologischen Strategien begegnet Keller der paradoxalen Herausforderung der conditio moderna, aus der Unmöglichkeit von Kunst wieder Kunst machen zu müssen – eine Herausforderung, der sich nicht nur der grüne Heinrich, sondern beispielhaft auch Viggi Störteler aus den Missbrauchten Liebesbriefen oder Herr Jacques aus den Züricher Novellen stellen müssen? Und welche Bündnispartner abseits des literarischen Feldes stehen Keller bei diesem Projekt zur Verfügung?

Die Lektüren, die vor diesem Fragehorizont entstehen sollen, perspektivieren Kellers Werk dabei bewusst als Dokument eines grossangelegten, diskursübergreifenden Transformationsprozesses. Sie tun dies im Widerspruch zu der Einsicht, dass es uns «wohler» sei, «wenn wir nicht zu viel von der Welt wollen und das, was sie uns freiwillig gibt, als gelegentlichen Fund betrachten» (so Keller an Josef Viktor Widmann im Januar 1881). Tatsächlich lassen sich Kellers Texte durchaus als Experimente verstehen, denen es keineswegs um das ‹Wohlsein› zu tun ist und die nicht nur vielvon ihrer Welt wollen, sondern auch andere Welten wollen. Aus dem Materialbestand, den ihnen das 19. Jahrhundert stiftet, generieren sie einen Kosmos, in dem (a) Wissenschaft, Ökonomie, Politik und Gesellschaft neu aufeinander bezogen werden; in dem (b) Geschlechterordnungen und Identitätskonzepte zu verschwimmen und dadurch ästhetisch produktiv zu werden beginnen; und in dem (c) die Literatur sich innerhalb des medialen Gefüges neu reflektieren, situieren und definieren muss. Auf welche Weise diese unterschiedlichen Aspekte der Kellerschen Modernität miteinander verschaltet sind und inwiefern die dabei imaginierte Welt Kellers auch ein Massstab der Kritik – nicht zuletzt an der noch jungen Eidgenossenschaft – zu sein vermag: Auch dies soll auf dem Zürcher Jubiläumskongress debattiert werden.

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Wochenende über Schrift

Vom 27.-28. Oktober 2018, Kunsthalle Zürich, Limmatstrasse 270, bei 100 Ways of Thinking - Wissenschaftsfestival

An diesem Wochenende, organisiert von Christine Lötscher, Bettina Spoerri und Sandro Zanetti, fragen wir, wie Sprache unser Denken prägt. Wir folgen den Spuren der ältesten lesbaren Texte der Welt und lassen uns von verschiedenen Schriftformen in unterschiedliche Welten des Denkens führen. Wir diskutieren das aktuelle Literaturgeschehen, vergleichen grammatikalische Variationen, lauschen lyrischen Kreationen und reflektieren das Schreiben als Kulturform.
Schreiben und Denken sind untrennbar miteinander verknüpft. Schreiben ist Kommunikationsmedium, Arbeitsmittel, Gedankenstütze und Kunstform. Sprache erscheint in den unterschiedlichsten Gestalten, doch immer ist sie Ausdruck unseres Denkens. Gedanken werden sprachlich gefasst, festgehalten und mitgeteilt. Sprachen präsentieren sich dadurch als Zugang zu unserem Denken; oder zumindest als Hilfestellung, ein bisschen davon zu verstehen.
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Stifters Mikrologien

Tagung zum 150. Todesjahr von Adalbert Stifter

Vom 26.-27. September 2018, Universität Zürich, Rämistrasse 71, KOL-E-13

Das Werk Adalbert Stifters zeichnet sich durch eine markante Aufmerksamkeit für das Kleine, Unmerkliche und vermeintlich Geringfügige aus. Bereits die zeitgenössische Rezeption hat das Bild vom „Dichter des Details“ und des botanischen „Mikroskopikers“ in Umlauf gebracht, das Stifter tatkräftig untermauert hat – wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen: Denn die Hierarchie von Gross und Klein, von Erhabenem und Niedrigem invertiert er durch den Hinweis auf das „sanfte Gesetz“, das im Verborgenen das menschliche Leben sowie die Natur regiere und das umso mächtiger wirke, als es noch in den unmerklichen und scheinbar unbedeutenden Phänomenen zu erkennen sei. Nach Massgabe dieser Prämisse wird das „Kleine“ bei Stifter „ehrfurchterregend“, und wenn er seine literarischen Erzählungen immer wieder als „kleinste Körnchen“ darreicht, dann verbirgt sich dahinter nicht nur rhetorische Bescheidenheit, sondern auch die unbeirrte Vorstellung einer anti-monumentalen Dichtung, einer „Poetik des Unspektakulären und Gewöhnlichen“ (Begemann).

Die Tagung, organisiert von Davide Giuriato und Sabine Schneider, gehen anlässlich von Stifters 150. Todesjahr dieser noch kaum erschlossenen poetischen Wissenschaft vom Kleinen und Winzigen nach. Programm

Revolutionen der Literaturwissenschaft 1966-1971

Vom 07. bis 09. Juni 2018 in der Abteilung für Allgemeine und Vergleichene Literaturwissenschaft (AVL), Plattenstrasse 43, Zürich.

Die Abteilung für Allgemeine und Vergleichene Literaturwissenschaft erinnert mit ihrer Tagung "Revolutionen der Literaturwissenschaft 1966-1971" an die Gründung des damaligen Seminars für vergleichende Literaturwissenschaft 1968/69. Es werden Texte diskutiert, die zwischen 1966 und 1971 entstanden bzw. publiziert worden sind.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Konferenzprogramm (PDF, 689 KB).

Over Her Dead Body Redux. Feminism for the 21st Century

Am 20. und 21. Oktober 2017 in der Universität Zürich (am 20. in Raum KO2-F-180, Rämistrasse 71, am 21. in RAA-G-101, Rämistrasse 69), organisiert vom Doctoral Program in English and American Literary Studies des Englischen Seminars der Universität Zürich.

25 years after the publication of Elisabeth Bronfen’s influential book Over Her Dead Body: Death, Femininity and the Aesthetic, we want to revisit the theoretical creativity and potential of 1990s feminism and gender studies. A quarter of a century later, and in the face of 21st-century turmoil, backlashes and protests, how can we reevaluate our feminist positions, what aspects need to be upheld, what concepts need to be reassessed? For this timely conversation, we have invited an illustrious, international group of intellectuals: Judith Butler, Mandy Merck, Barbara  Vinken, Elisabeth Bronfen and others will discuss questions concerning the relationship between feminism, aesthetics, representation, and language; the shifts and changes – for better or for worse – that have occurred between the 1990s and today; as well as potential visions for the future.

Paradigmatic Figures of Psychoanalysis

Internationale Konferenz vom 23.–25. Oktober 2017, KOL-E-13 (Senatszimmer), Rämistrasse 71, 8006 Zürich, organisiert von Frauke Berndt und Cornelia Pierstorff.

Die These einer ›Unvermeidbarkeit Sigmund Freuds‹ benennt den außergewöhnlichen Status des Begründers der Psychoanalyse im kulturwissenschaftlichen Diskurs seit 1900. Wie die literarische Produktivität von der Psychoanalyse beeinflusst worden ist, so steht deren Theoriebildung wiederum von Anfang an in engem Zusammenhang mit Mythologie und Literatur. Wir haben es mit einem Phänomen gegenseitiger Beeinflussung und Bezugnahme zu tun, das selbst ebenfalls dem historischen Wandel unterliegt.  Dabei spielen die antiken Tragödien und ihr Figurenpersonal eine besondere Rolle: Ödipus wird für Freud zum Namenspatron des Komplexes, der die männliche Subjektivität konfiguriert, Elektra zur verworfenen Kandidatin eines weiblichen Gegenstücks, Hamlet zum modernen Erben des Ödipus und seines Komplexes. Diese Figuren können insofern als paradigmatische Figuren der Psychoanalyse gelten, als ihre Interpretation für Freud und in seiner Nachfolge weitere PsychoanalytikerInnen die Grundlage theoretischer Axiome bildet. Ohne Figuren keine Komplexe! In der zweiten und dritten Generation der PsychoanalytikerInnen verschiebt sich der Akzent von der Literaturrezeption auf die Rezeption der Gründungstexte zur Psychoanalyse. Trotzdem schließen z.B. Kohut (Narziss), L. Szondi (Kain), Butler (Antigone) oder Meltzer (Jeanne d’Arc) an figurenspezifische mythologische und literarische Motive, Stoffe, Rollen (personae) und Narrative an, die in der Begriffsbildung eine wichtige Rolle spielen und außerdem dafür gesorgt haben, dass ein europäischer literarischer Kanon entstanden ist. Die Funktionen der von der Psychoanalyse in Dienst genommenen ebenso wie der von der Psychoanalyse ignorierten, vermiedenen, ja verdrängten oder nicht gekannten, aber dennoch – unter der Hand – aktivierten Figuren sollen auf dieser internationalen Tagung erforscht werden, und mit ihnen die Abhängigkeit der Theoriebildung von der Literatur, die ihr epistemisches Potenzial auf diesem Feld einmal mehr behauptet.

¿Natura? Environmental Aesthetics After Landscape

Eine Veranstaltung mit Vorträgen, Filmen und Debatten, vom 1. bis 3. Juni 2017, Völkerkundemuseum, Universität Zürich, Pelikanstrasse 40.

Leben wir heute in einer ›Welt nach der Natur‹? Mit dem Begriff Anthropozän haben Natur- und Geisteswissenschaftler versucht, eine Beziehung zu denken, in der die Natur nicht mehr den äusseren Rahmen der menschlichen Gesellschaft bildet. Von der Erdatmosphäre bis zur Temperatur der Ozeane und zur Physiologie genetisch ‹programmierter› Organismen ist Natur heute unmittelbar Effekt menschlichen Handelns. Zugleich aber stellt diese ‹intervenierte Natur› die biologischen Lebensgrundlagen der Spezies Mensch selbst in Frage. Wie reagieren Kunst und Theorie auf diese Krise der Natur? 

Laden Sie hier das Programm herunter.

Poetiken der Kindheit

Eine Internationale Tagung an der Universität Zürich, vom 22. bis 24. März 2017, Tagungssaal im Gebäude RAA, 2. Stock, Aula G-01, Rämistrasse 59, 8001 Zürich.

In den Geistes- und Kulturwissenschaften verläuft die Auseinandersetzung mit der Kindheit unter der wesentlichen Prämisse, dass diese nicht als biologisches Phänomen, sondern als Diskursfigur zu verstehen ist, die eine eigene Geschichte besitzt. Nach der bahnbrechenden Studie von Philippe Ariès wird die “Entdeckung der Kindheit“ in der europäischen Moderne gemeinhin als Folge eines Prozesses beschrieben, der in der Frühen Neuzeit beginnt und um 1800 seine explizite lebensweltliche und diskursive Ausformung findet. Dabei setzt sich die Ansicht durch, dass die frühe Lebensphase der Kindheit nicht mehr als defizitäres Übergangsstadium, sondern als eigenwertige, von der Welt der Erwachsenen separierte Lebens- und Denkwelt zu verstehen ist. In der Art einer »black box« (Luhmann) gilt Kindheit nunmehr als schwer zugänglicher Raum vor der symbolischen Ordnung, der nicht nur besondere Wissensanstrengungen auf sich zieht, sondern auch zu Projektionen und Fiktionen einlädt. Die ästhetische, epistemologische und diskursive Funktion zu ermessen, die der Literatur in dieser vermeintlich noch jungen Geschichte der Kindheit zukommt, ist Hauptanliegen der Konferenz. Programm ansehen (JPG, 672 KB)

Die Tagung bietet einen Vorgeschmack auf den ZKK:Jahresschwerpunkt »Ästhetik der Kindheit« 2018/2019 (Organisation: Davide Giuriato, Klaus Müller-Wille). Sie wird unterstützt von der Zürcher Hochschulstiftung und dem ZUNIV - Zürcher Universitätsverein.

Doing Performance Art History. A Congress of Actors and Observers

Vom 3. bis 5. November fand im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, der Kongress »Doing Performance Art History. A Congress of Actors and Observers« statt, organisiert von den Mitgliedern des ERC-Projekts »Performance Art in Eastern Europe. History and Theory«.

Nicht nur Kunst, sondern auch Kunstgeschichte wird „gemacht“. Im Fokus unseres Kongresses stehen deshalb Strategien der künstlerischen Selbstdokumentation, Selbstarchivierung und Selbsttheoretisierung, die Künstler in Osteuropa zur Zeit des Eisernen Vorhangs entwickelt haben. Wer waren bzw. sind die Akteure, was waren oder sind deren Konzepte? Wie partizipieren Kuratoren und Theoretiker an diesen Strategien. Wie werden diese Dokumentationen heute historisiert - z.B. in Reperformances? Wie lässt sich für die Kunstgeschichte(n) der Gegenwart das Wechselverhältnis zwischen Künstlern, Kuratoren und Wissenschaftlern beschreiben und damit verbunden, das Wechselverhältnis von Teilnahme und Beobachtung, Nähe und Distanz?
Mit: Nikita Alekseev, Zdenka Badovinac, László Beke, Judit Bodor, Tomáš Glanc, Marina Gržinić, Sabine Hänsgen, Roddy Hunter, Janez Janša, Júlia Klaniczay, Barbora Klímová, Kata Krasznahorkai, Claus Löser, Nastasia Louveau, Anna Molska, Pavlina Morganova, Ruth Noack, Sasha Obukhova, Tomáš Pospiszyl, Dorota Sajewska, Sylvia Sasse, Sven Spieker, Philip Ursprung, János Vető, Vadim Zakharov sowie Videoarbeiten von Milan Knížák, Ion Grigorescu, Sofia Kulik, Andrei Monastyrski und IPUT (International Parallel Union of Telecommunications - Trust.ee in bankruptcy: Tamas St.Turba).

Der Schwarzkünstler Peter Weiss. Symposion aus Anlass seines 100. Geburtstags

Vom 27. bis 29. Oktober 2016 fand im Hauptgebäude der Universität Zürich und dem Deutschen Seminar das Symposion »Der Schwarzkünstler Peter Weiss« statt, veranstaltet vom Deutschen Seminar der Universität Zürich.

Allein schon weil an den Wänden des sogenannten ‚Lichthofs‘ der Universität Zürich Gipsabgüsse des für die Ästhetik des Widerstands so wichtigen Pergamonaltars angebracht sind, drängt sich der Ort für ein Peter-Weiss-Symposion geradezu auf. Die Veranstaltung möchte den Autor indes weniger als Lichtgestalt zelebrieren denn in seiner Eigenschaft als Schwarzkünstler herausstellen. Indem die Chiffre von der Schwarzkunst auf die Schnittstelle von Medialität und Materialität abhebt, erlaubt sie es, eine Reihe scheinbar disparater Aspekte aus Peter Weiss’ Schaffen als Schriftsteller, Maler, Collagist und Filmemacher – Druckbild, bewegte Schatten/Fantasmen, Namenspolaritäten u. Ä. – konstellativ zueinander in Bezug zu setzen und dem Werk damit neue Perspektiven abzugewinnen.

The Return of DADA / Le Retour de DADA / Die Wiederkehr von DADA

Vom 7.-9. April 2016 findet im Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich, das Symposium »The Return of DADA / Le Retour de DADA / Die Wiederkehr von DADA« statt. Es wird konzipiert von Agathe Mareuge und Sandro Zanetti von der Abteilung Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL) der Universität Zürich

An der Tagung geht es darum, eine Bilanz des Wissens über Dada und seine Vermächtnisse bzw. »Erbschaften« zu ziehen und dabei die (Neu-)Erfindung von Dada insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren durch die Dada-Akteure zu rekonstruieren.

Verschiebung (Displacement/Вымещение) im Kalten Krieg

Vom 5.-7. November 2015 fand, organisiert von Alexander Markin und Sylvia Sasse, am Slavischen Seminar der Universität Zürich die Tagung "Verschiebung (Displacement/Вымещение) im Kalten Krieg" statt.


Die Tagung widmet sich dem Thema der "Verschiebung (displacement/вымещение)" im Kalten Krieg. Ziel der Tagung ist es, die verschiedenen Facetten von Verschiebung als einem zentralen künstlerischen und politischen Verfahren des Kalten Krieges (1946–1986) zu untersuchen. Unter Verschiebung verstehen wir die Verlagerung des den Kalten Krieg dominierenden Konflikts auf andere Ebenen und Territorien: Im Bereich der Außenpolitik wurde der ideologische Konflikt zwischen den Großmächten in die Dritte Welt verschoben (Stellvertreterkriege). Innenpolitisch wurde das außenpolitische Feind/Freund-Schema in der UdSSR und USA durch die Schaffung innerer Feinde ausagiert, wobei diese selbst auch im geographischen Sinn verschoben worden sind, sie wurden verbannt oder isoliert. Darüber hinaus wurde der Konflikt zwischen den Supermächten auch auf Narrative und Plots in Film, Literatur und Kunst verlagert (Familie, Gender, Paarbeziehungen). Die Organisatoren interessieren sich dabei nicht nur für äussere, sichtbare Spuren solcher Verschiebungen, sondern auch für die zeittypischen verborgenen politischen und kulturellen Mechanismen bzw. Logiken, die diverse Verschiebungen während des Kalten Kriegs sanktionieren und Übertragungen des Grosskonflikts bzw. seine Maskierungen und Umwandlungen erlauben. Eingeladen wurden international renommierte wissenschaftliche Referentinnen und Referenten aus dem Gebiet der Cold War Studies bzw. Kulturgeschichte des Kalten Krieges. Dem interdisziplinären Charakter der Cold War Studies entsprechend kommen die Gäste aus unterschiedlichen Disziplinen (Literaturwissenschaft, Geschichte, Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft) und aus unterschiedlichen Ländern (Schweiz, USA, Grossbritannien, Russland).
Mit Silvia Berger, Johannes Binotto, Elisabeth Bronfen, Fabienne Collignon, David Eugster, Evgeny Dobrenko, Steven E. Harris, Patrick Kilian, Michail Klimin, Alexander Markin, Matthias Meindl, Gloria Meynen, Elena Petrovskaja, Roland Vesgö.
 

The Colors of Photography

Vom 30.-31. Oktober 2015 fand im Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich und im Museum Rietberg das Internationale Symposium The Colors of Photography statt, organisiert von Bettina Gockel, in Kooperation mit Nanni Baltzer und Sophie Junge.


The colors of photography have attracted growing academic interest in recent years. First of all, digital reproduction has led to an increasing visibility of color(s) in early photography. Secondly, the history of classical black and white photography is a history of a wide range of tonal values. Thirdly, whole oeuvres of color photography have come to the fore which were made by practitioners who are best known as radically black and white photographers. All this makes it necessary to call the traditional history of color photography into question and go beyond its techno-historical, teleological and biographical approach.
The symposium The Colors of Photography is dedicated to achieving a deeper understanding of what color is in the field of photography while also considering black and white as both an aesthetic idiom during specific periods in the history of the medium and as a metaphorical means of expression. The use of color draws an analogy between photographic seeing and the perception of the human eye. At the same time, color seems to prevent the realism and objectivity of “straight photography” and instead points to naturalism and subjectivity. Until today, color photography marks the “here and now” in photography while black and white photographs are strongly linked to our image of history and form our collective memory. However, such general dichotomies start to crumble according to a disclosure of the aesthetic, cultural, and political complexity of color in photography.
With Nanni Baltzer, Bettina Gockel, Michael Hengartner, Roger Salloch, Tanya Sheehan, Abigail Solomon-Godeau, Sally A. Stein, Blake Stimson, Kim Timby, Kelley Wilder and Deborah Willis.
 

Transaktualiät. Ästhetische Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit

Vom 11.-13. Juni 2015 fand, organisiert von Sandro Zanetti, die Tagung "Transaktualiät. Ästhetische Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit" statt.


Im Zentrum der Zürcher Tagung steht das prinzipiell spannungsvolle Verhältnis von Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit in den Künsten. Der Wunsch, Kunst möge die Zeit ihrer Herstellung überdauern, ist so alt wie die Kunst selbst. Gleichzeitig sind Kunstwerke der Zeit ausgesetzt: Sie zerfallen, zersetzen sich, werden wertlos, zerstört, vergessen. Umgekehrt kommt es vor, dass Artefakte überhaupt erst mit Verspätung als Kunstwerke angesehen werden. Welche Gesetzmäßigkeiten sind hier wirksam? Wer bestimmt darüber, ob ein Kunstwerk oder eine künstlerische Produktion von Dauer ist? Welche Selektionsmuster beginnen in der Rezeptionsgeschichte zu greifen? Und wie unterscheiden sich diese Muster zwischen den Künsten – in der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik oder im Theater und der Performancekunst, wo die Flüchtigkeit der Aufführung Teil der künstlerischen Praxis ist? Wird die Flüchtigkeit der Aufführung kompensiert durch eine andere Art von Dauerhaftigkeit, die im anschließenden Diskurs oder in verschiedenen Formen der Dokumentation Unterschlupf findet? Oder ist es überhaupt fragwürdig, Dauerhaftigkeit explizit oder implizit als Kriterium zur Beurteilung der Qualität eines Kunstwerks oder einer künstlerischen Produktion zu nehmen? Mit dem Begriff der Transaktualität sollen genau diese Spannungsmomente in den Fokus der Auseinandersetzung treten.

Handlungs/Spiel/Räume der Schrift: Zur Operativität des Graphischen

Vom 16.-18. September 2015 findet an der Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal, Pfingstweidstr. 96, die Tagung "Handlungs/Spiel/Räume der Schrift: Zur Operativität des Graphischen" statt, organisiert von Dominik Erdmann, Thorsten Gabler, Carol Ribi und Katia Schwerzmann, in Kooperation mit Sybille Krämer, Dieter Mersch und Sandro Zanetti.


In seinen 1973 verfassten, allerdings erst postum veröffentlichten Variations sur l’écriture (2002) formuliert Roland Barthes den bedenkenswerten, in heuristischer wie systematischer Hinsicht folgenschweren Gedanken, dass das ›Schreiben‹ respektive die ›Schrift‹ (écriture) sachangemessen weder ›phono-graphisch‹ noch ›phono-logisch‹ zu beschreiben ist. Denn weder sei die ›Vernunft‹ (lógos) der Ursprung der Schrift noch die ›Sprache‹ (phoné) deren Fluchtpunkt. Die Schrift, erläutert Barthes, sei keine bloße Transkription der Rede und diene nicht in erster Linie der Kommunikation. Im Gegenteil: Weil sie »viele andere als nur kommunikative Funktionen« hat und »mit der Hand verbunden« (ebd., 69f) sei, verkörpere die Schrift eine »Praxis des Genusses« (ebd., 11), bei der »das Auge« und »die Hand« (ebd., 101) Regie führten.
Barthes’ kritischem Hinweis hat die Berliner Schriftbildlichkeitsforschung insofern Rechnung getragen, als sie eine Perspektive auf die Schrift einstellt, in der die Schrift mehr (und anderes) als nur die Funktion erfüllt, Sprache zu transkribieren. Für Barthes steht jedoch außer Zweifel, dass die haptisch-taktilen Dimensionen der Schrift für die Schrift wesentlich sind: Die Schrift, bilanziert Barthes, »geht durch die Hand« und »fällt an diese zurück« (Barthes, Variations, 171). Zwar sind der Schriftbildlichkeitsforschung die ›taktilen‹ Dimensionen der Schrift nicht entgangen. Was aber »Operativität« in der Konfrontation mit der irreduziblen materialen Eigensinnigkeit von graphischen Phänomenen wie Manuskripten, Drucktexten, Notationen, Diagrammen und dergleichen mehr tatsächlich konkret bedeuten soll, ist bislang nicht hinreichend geklärt worden.
Die geplante Tagung möchte daher Schreiben und Schrift nicht allein in kommunikativen und kognitiven Funktionen und nicht bloß unter diagrammatischen Gesichtspunkten als ›Kalkül‹ betrachten, sondern von einer materialorientierten Produktions- und Rezeptionsaisthetik her denken, in der sich die responsiven Wechselwirkungen von Schreib- und Schriftkörpern in einer Art und Weise durchdringen und überlagern, dass gängige Kategorien sowie vertraute Beschreibungs- und Unterscheidungsmodelle ihre heuristische Funktion einbüßen.
 

Post/Produktion. Bildpraktiken zwischen Film und Fotografie

Vom 28.-29. Mai 2015 fand am Seminar für Filmwissenschaft die Tagung Post/Produktion. Bildpraktiken zwischen Film und Fotografie statt, organisiert von Fabienne Liptay.


Ausgangspunkt der Tagung sind die miteinander verbundenen Fragen, wie sich Film und Fotografie jenseits ihrer medienontologischen Definitionen über die konkreten Verfahren ihrer Produktion und Postproduktion begreifen lassen und inwiefern diese Verfahren auf Austauschprozesse verweisen, die den Versuch medialer Grenzziehung nicht nur programmatisch erschweren, sondern vielmehr noch auf die Bearbeitung gemeinsamer Problemstellungen im Feld des ästhetischen Handelns verweisen.
Die Tagung möchte den Anlass geben, das Fotografische als Erzeugung aus der Praxis zu denken und es in den Kontext materialer, sozialer und institutioneller Relationen zu setzen. Die Frage, unter welchen Voraussetzungen Bilder als Produkte ihrer eigenen Entstehungsbedingungen erkennbar werden, fordert die im fotografischen Diskurs gängige Unterscheidung zwischen Inszenierung und Dokumentation heraus. In ihrer thematischen Ausrichtung soll die Tagung dazu einladen, die vielfältigen historischen und aktuellen Beziehungen zwischen Film und Fotografie in den Kontexten ihrer Produktion und Postproduktion zu betrachten. Dabei ist es ein Anliegen, über die Erschließung aussagekräftiger Beispiele zu überraschenden theoretischen Einsichten zu gelangen.