2016/2017 »Invented Skins«

Invented Skins. Schreiben, Performance und Theorie in Brasilien

Durch Texte, Konzepte und Bilder erfinden Künstler*innen und Schriftsteller*innen neue Häute in der Welt. Sie verändern die Haut der Welt durch neue Ideen. Der titelgebende Begriff «Invented Skins» knüpft an das Konzept des «expanded field» an, wie Rosalind Krauss es 1979 in Sculpture in the Expanded Field eingeführt hat. Die Frage, die es zu stellen gilt, ist nicht mehr, was oder wo Literatur ist, sondern wie literarische Zeichen in Museen und anderen Räumen jenseits der Einbände eines Buches funktionieren. Ausgehend hiervon wird Literatur aus einer anderen Perspektive konzeptualisiert, einschliesslich ihrer multiplen Diasporen jenseits des Buches und ihrer Verbindungen zu älteren und wesentlichen Elementen des Körpers wie Stimme und Gestik. Invented Skins, organisiert von Eduardo Jorge de Oliveira, ist eine Kooperation mit dem Lateinamerika Zentrum Zürich (LZZ).

Veranstaltungen

«Ricardo Aleixo: Performance-Lesung», 24.11.2017, Cabaret Voltaire

Age de Carvalho: «Poesie als Fremdsprache», 17.11.2017, Cabaret Voltaire

Nuno Ramos: «Monolog für einen toten Hund» und «Soap Opera», 3.06.2017, Cabaret Voltaire

«Ricardo Domeneck & Chacal», 28.04.2017, Cabaret Voltaire

Veronica Stigger: «Rancho. Eine Lecture-Performance», 12.12.2016, Cabaret Voltaire

Publikationen

Eduardo Jorge de Oliveira: Beschweigen, Bezeichnen. Mira Schendel und die Schrift unmittelbaren Erlebens

Übersetzt von Melanie Strasser, Broschur, 80 Seiten, 2020, Buch bestellen

Der Essay befasst sich vor dem Hintergrund des noch viel zu wenig bekannten Werks der 1919 in Zürich geborenen und 1988 in São Paulo verstorbenen Lyrikerin und Künstlerin Mira Schendel mit der sinnlichen Beziehung zwischen dem Betrachter und der in bildlichen Werken dargebotenen Zeichen. Wie können wir Kunstwerken in unmittelbarem Erleben über unsere Sinne begegnen, anstatt ihnen Bedeutungen immer nur entlang der Trennung rational/ sinnlich zuzuschreiben?
Ausgehend von zwei, während der Jahre 1964 und 1965 entstandenen Monotypien Schendels und deren spezifischer Materialität von Schrift und Strich analysiert der Autor das intime Aufeinanderbezogensein von Zeichen [signo] und Beschweigen [sigilo], in deren Komplizität sich sowohl Ästhetik wie Ethik der von Sprachgrenzen durchkreuzten Kunst Mira Schendels offenbart – einer Kunst, die es unternahm, von einer Migration der Buchstaben« zu einer »Potenz des Signifikanten« zu gelangen.