Forschungsprojekte von Mitgliedern des ZKK

Fabienne Liptay: Exhibiting Film. Challenges of Format

Das vom SNF geförderte Forschungsprojekt von Fabienne Liptay »Exhibiting Film: Challenges of Format« ist den Herausforderungen gewidmet, die das Format an die Theorie und Praxis der Ausstellung von Filmen stellt. Basierend auf der Annahme, dass die Zirkulation von Filmen den Massgaben des Formats unterliegt, will das Projekt zu einer neuerlichen Anerkennung der Restriktionen und Möglichkeiten beitragen, die die lange Geschichte ihrer Ausstellung in unterschiedlichen Kontexten begleitet haben. Ob ein Film im Kino, im Fernsehen, im Museum oder auf dem Festival zu sehen ist, hängt vor allem davon ab, ob sein Format mit den jeweils gegebenen Voraussetzungen kompatibel ist. Filme, die aufgrund ihres Formats in den standardisierten Gefässen und Kanälen der Distribution innerhalb der Verwertungskette nur bedingt Platz finden, sind grundsätzlich auf alternative Plattformen und Infrastrukturen angewiesen, in denen sie gezeigt und verbreitet werden. Formate bestimmen unterdessen nicht nur, unter welchen technischen Voraussetzungen Medien operieren. In einem weiter gefassten kulturellen Verständnis, wie es im Rahmen des Forschungsprojekts profiliert wird, stellt das Format auf der Grundlage der Standardisierung und Normierung die Bedingungen, unter denen Filme auch in sozialer und politischer Hinsicht zur öffentlichen Ausstellung gelangen.

Laufzeit: Oktober 2017 bis September 2021. Mehr Informationen über »Exhibiting Film: Challenges of Format« finden Sie hier.

Thomas Strässle, Dieter Mersch: Praktiken des ästhetischen Denkens – Das essayistische Prinzip

Das Sinergia-Projekt Praktiken ästhetischen Denkens, an dem die vier Kunsthochschulen der deutschsprachigen Schweiz, die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die Hochschule der Künste Bern (HKB), die Fachhochschule Nordwest-Schweiz in Basel (FHNW) und die Kunsthochschule Luzern (KuL) beteiligt sind, beschäftigt sich mit Denkformen in den Künsten, von der Musik über Installation und Videokunst bis zu Film, Theater und Design unter dem Gesichtspunkt ihrer Praktiken. Untersucht wird die Eigenart des künstlerischen Denkens im Vergleich zu wissenschaftlichem Denken und Forschen. Gleichzeitig wird durch die Fokussierung auf Denkpraktiken versucht, die in den letzten Jahrzehnten geführte Debatten um ›Artistic Research‹
zu vertiefen, indem nach den philosophischen und ästhetischen Grundlagen eines angemessenen Forschungsbegriffs und der Eigenart künstlerischen Wissens- und Erkenntnisproduktion in den Künsten und durch die Künste gefragt wird.

Die Untersuchungen im Bereich Grundlagenforschung gliedern sich in vier Teilprojekten: Der Witz der Kunst (ZHdK), Das essayistische Prinzip (HKB), Die ästhetische Praxis der Kritik (FHNW), Radikale Pädagogiken (KuL)

Laufzeit: März 2017 bis Februar 2021. Mehr Informationen

Davide Giuriato: Kindheit und Literatur

In den Geistes- und Kulturwissenschaften verläuft die Auseinandersetzung mit der Kindheit unter der wesentlichen Prämisse, dass diese nicht als biologisches Phänomen, sondern als Diskursfigur zu verstehen ist, die eine eigene Geschichte besitzt. Nach der bahnbrechenden Studie von Philippe Ariès wird die »Entdeckung der Kindheit« in der europäischen Moderne gemeinhin als Folge eines Prozesses beschrieben, der in der Frühen Neuzeit beginnt und um 1800 seine explizite lebensweltliche und diskursive Ausformung findet. Dabei setzt sich die Ansicht durch, dass die frühe Lebensphase der Kindheit nicht mehr als defizitäres Übergangsstadium, sondern als eigenwertige, von der Welt der Erwachsenen separierte Lebens- und Denkwelt zu verstehen ist. In der Art einer »black box« (Luhmann) gilt Kindheit nunmehr als schwer zugänglicher Raum vor der symbolischen Ordnung, der nicht nur besondere Wissensanstrengungen auf sich zieht, sondern auch zu Projektionen und Fiktionen einlädt. Die ästhetische, epistemologische und diskursive Funktion zu ermessen, die der Literatur in dieser vermeintlich noch jungen Geschichte der Kindheit zukommt, ist Hauptanliegen des Projekts von Davide Giuriato, aus dem ein Sammelband sowie ein ZKK:Jahresschwerpunkt hervorgehen sollen.

Laufzeit: März 2017 bis Dezember 2018. Mehr Informationen.

Boris Previšić Mongelli: Polyphonie und Stimmung. Musikalische Paradigmen in Literatur und Kultur

»Die Stimmungssemantik ist heute dumm geworden.» (Wellbery 2003) Und dennoch ist die Stimmung in ihrer atmosphärischemotionalen Evidenz als Alltagsparadigma omnipräsent. Sie bedarf jedoch dringend einer konzeptuellen Schärfung, um komplexe Sachverhalte in der aktuellen Literatur und Kultur konzis zu erfassen. Dafür müsse – wie Wellbery am Ende seiner Stimmungsgeschichte folgert – die ursprüngliche »musikalische Sinndimension« des 18. Jahrhunderts aktualisiert werden. Um ein griffiges Beschreibungs- und Analyseinstrument zur Verfügung stellen zu können, muss diese vertikale Dimension des Zusammenklingens mit einem zweiten Konzept, mit dem sie in enger Korrelation steht, ergänzt und abgeglichen werden: mit der horizontalen Dimension der ‚Mehrstimmigkeit‘, mit der Polyphonie. Aus den heutigen Literatur- und Kulturanalysen ist dieses Paradigma nicht mehr wegzudenken; doch auch ihm fehlt oft genug die musikalischdiskursive Kontextualisierung und Konkretisierung. Mehr Informationen. 

Sylvia Sasse: Performance-Art in Osteuropa (1950-1990): Geschichte und Theorie

Das durch den ERC Consolidator-Grant (2014-2019) finanzierte und am Slavischen Seminar angesiedelte Projekt von Sylvia Sasse hat das Ziel, erstmalig einen Überblick über die historische und transnationale Entwicklung der Performance-Art in Osteuropa zur Zeit der Diktaturen zu geben. Dabei soll Performance-Art nicht nur als Untersuchungsgegenstand vorgestellt werden, sondern als ein zentrales künstlerisches Genre, das implizit und explizit sowohl an der Erforschung kultureller Praktiken als auch an der Schaffung alternativer Handlungsweisen selbst beteiligt war. Es handelt sich dabei einerseits um die künstlerische Erforschung totalitärer bzw. realsozialistischer Praktiken, Rituale und Gesten, anderseits um künstlerische Handlungsweisen, die durch das Agieren im Untergrund entwickelt worden sind.

Mehr Informationen über „Performance-Art in Osteuropa (1950-1990): Geschichte und Theorie“ finden Sie hier.

Tristan Weddigen: Heinrich Wölfflins Gesammelte Werke

Das am Kunsthistorischen Institut angesiedelte SNF-Editionsprojekt hat zum Ziel, das Gesamtwerk des Schweizer Kunsthistorikers Heinrich Wölfflin herauszugeben. Die Publikationen Wölfflins gehören zu den Fundamenten der Kunstwissenschaft und beschäftigen sich mit dem Stilbegriff, der Wahrnehmungspsychologie und Entwicklungsmodellen der Kunst- und Architekturgeschichte. Die Wirkung seiner Schriften ging weit über die Fachgrenzen hinaus. Sie werden nun in einer kritischen Edition zusammen mit unveröffentlichtem Archivmaterial online und in gedruckter Form zur Verfügung gestellt, angereichert durch Einleitungen, Kommentare, Apparate und Abbildungen. Die Edition soll für künftige Forschung etwa in den Bereichen Wissenschaftsgeschichte, Ästhetik, Global Art History und in affinen Disziplinen eine verlässliche und materialreiche Grundlage bieten.

Laufzeit: 2015–2020. Ausführliche Informationen