Publikationen von Mitgliedern des ZKK

Sandra Frimmel und Sabine Hänsgen (Hg.): »Yuri Albert. Elitär-demokratische Kunst«

344 S. mit 190 farbigen Abbildungen, Format 24 x 17,5 cm, Steifbroschur mit Leinenrücken, ISBN: 978-3-86442-273-7, erschienen 2018 bei Snoeck.

Yuri Albert (*1959 in Moskau) ist einer der wichtigsten Vertreter der zweiten Generation des Moskauer Konzeptualismus. Diese war in den 1970er- und 80er-Jahren aus dem staatlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen – der offiziellen Infrastruktur der Museen und Galerien, aber auch den Diskursen der sowjetischen Kunstwissenschaft und Kunstkritik – und musste Präsentation, Kommentierung und theoretische Reflexion der eigenen Tätigkeit selbsttätig organisieren. Geprägt von dieser historischen Erfahrung im spätsowjetischen Milieu fand Yuri Albert zu einem kritischen und zugleich (selbst-)ironischen Standpunkt, der seine Reflexionen des Systems Kunst bis heute prägt.

Im Zentrum von Ausstellung und Buch, die sein Werk zum ersten Mal ausserhalb Russlands ausführlich vorstellen, steht nun die Serie »Elitär-demokratische Kunst« (1987–2017), in der die Sprache der Kunst den Sprachen von Blinden oder Taubstummen und der Fachsprache von Seeleuten oder der Stenografie gegenübergestellt wird, um sowohl die einzelnen semiotischen Systeme im Vergleich zur Kunst als auch ihre Verständlichkeit sowie Zugänglichkeit zu analysieren. Die Leser und Betrachter sind in diesen Untersuchungen der Beziehung zwischen Kunstwerk und Interpretation, Bild und Text, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Original und Kopie, zumal in dieser umfangreichen Publikation, immer ein kommunikatives Gegenüber. Yuri Alberts Arbeiten zielen auf einen Dialog mit der Kunst über die Kunst hinaus und laden ein, über den Status von Kunst nachzudenken: elitär oder demokratisch.
Mit Texten von Yuri Albert und mit Beiträgen von Dorothee Bienert, Frank Frangenberg, Georg Witte und einem Epilog der Herausgeberinnen.

Sandra Frimmel und Mara Traumane (Hg.): »Kunst vor Gericht. Ästhetische Debatten im Gerichtssaal«

528 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-95757-468-8, erscheint am 28. September 2018 bei Matthes & Seitz.

Strafrechtliche Verfolgungen von Kunst und Künstlern sind auch im 21. Jahrhundert keine Seltenheit. Für internationales Aufsehen sorgten zuletzt die Gerichtsprozesse gegen die russische Punk-Gruppe Pussy Riot und gegen den Aktionskünstler Piotr Pawlenski. Während die Öffentlichkeit vorallem über das Urteil informiert wird, bleiben die ästhetischen Debatten vor Gericht jedoch meist unberücksichtigt. Sie sind es aber, die Aufschluss darüber geben, über welches Kunstverständnis eine Gesellschaft verfügt und auf welche Weise sie diese in einem juristischen Rahmen zu verhandeln in der Lage ist.
›Kunst vor Gericht‹ versammelt Materialien über Gerichtsverfahren, die seit Ende des 19. Jahrhunderts gegen Künstler und Kuratoren geführt worden sind. Sie zeigen den Wandel der juristischen Bewertung von Kunst und den Wandel eines gesellschaftlichen Kunstverständnisses. Das Augenmerk liegt jedoch auf der Frage, wie über die Kunst vor Gericht debattiert wird.

Die Essays, Fallstudien sowie eine Auswahl an Gerichtsakten machen die Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Praxis und Gesetzgebung sowie Konjunkturen von Anklagepunkten über Ländergrenzen und politische Systeme hinweg fassbar.
Mit Beiträgen von Inke Arns, Ulrike Boskamp, Katarzyna Cytlak, Sandra Frimmel, Eckhart Gillen, Christine Gölz, Zoya Katashinskaya, Erden Kosova, Kata Krasznahorkai, Ewa Majewska, Nadia Plesner, Ada Raev, Jana Rogoff, Sylvia Sasse, Rosa von der Schulenburg, Anna Schürmer, Thomas Skowronek, Cornelia Sollfrank, Gabriele Stötzer, Mara Traumane, Felix Uhlmann.
Der Folgeband Literatur vor Gericht. Ästhetische Debatten im Gerichtssaal, hg. von Matthias Meindl und Sylvia Sasse, erscheint 2019.

Elisabeth Bronfen, Ivo Ritzer, Hannah Schoch (Hg.): »Ida Lupino. Die zwei Seiten der Kamera«

263 Seiten, 183 Fotos, Hardcover, ISBN 978-3-86505-329-9, erschienen bei Bertz+Fischer. Buch bestellen

Ida Lupino, Jahrgang 1918, ist einer der grossen Stars des klassischen Hollywood. Nach ihren Anfängen im britischen Kino der 1930er Jahre ist ihr der Sprung nach Amerika gelungen, wo sie bis in die 1970er Jahre als Schauspielerin erfolgreich war. Doch bis heute ist nur wenigen bekannt, dass sie auch hinter der Kamera ein eigenständiges Werk geschaffen hat. Als unabhängige Regisseurin und Produzentin widmete sie sich furchtlos brisanten Stoffen und begab sich in einen kritischen Dialog mit dem klassischen Hollywood und dem Amerika der 1950er Jahre. Als eine von sehr wenigen Frauen wechselte sie gekonnt zwischen den beiden Seiten der Kamera – stets mit einer grossen Sensibilität für die vielschichtigen Möglichkeiten des Mediums und immer mit einem so eigenen wie auch eigenwilligen Blick. Gleichzeitig vollzog Ida Lupino früh und erfolgreich den Schritt vom big screen der Kinos zum small screen des Fernsehens und war in diesem neuen Medium über Dekaden sowohl als Regisseurin wie auch als Schauspielerin äusserst produktiv. Anlässlich ihres 100. Geburtstags ist es nun an der Zeit, Ida Lupinos künstlerisches Schaffen mit neuem Blick zu betrachten, gerade auch weil ihre subtile Gesellschaftskritik überraschend aktuell ist.
Der Band versammelt Beiträge von Johannes Binotto, Elisabeth Bronfen, Stella Castelli, Lukas Foerster, Morgane Gillardi, Fabienne Liptay, Ivo Ritzer, Hannah Schoch, Barbara Straumann und Murièle Weber.

Stefanie Heine und Sandro Zanetti (Hg.): »Transaktualität. Ästhetische Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit«

München 2017, 314 Seiten, 28 s/w Abb., kart.,ISBN 978-3-7705-6041-7. Buch bestellen

Der Wunsch, Kunst möge die Zeit ihrer Herstellung überdauern, ist so alt wie die Kunst selbst. Doch was kann Dauerhaftigkeit bedeuten? In welchem Verhältnis steht sie zu den prinzipiell vergänglichen Momenten der Produktion und Rezeption? Wo stößt Dauerhaftigkeit an ihre Grenzen? Und wo und wie entfaltet Flüchtigkeit ihren Sinn? Im Zentrum des Buchs steht das prinzipiell spannungsvolle Verhältnis von Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit in den Künsten. Transaktualität meint die Art und Weise, wie Kunst in jeweils unterschiedlicher Weise über die aktuellen Momente ihrer Konkretion hinauszuweisen in der Lage ist – ohne dass man sie deswegen als zeitlos begreifen müsste. 

Davide Giuriato, Eckhard Schumacher (Hg.): »Drastik. Ästhetik – Genealogien – Gegenwartskultur«

München 2016. 261 Seiten, 1 s/w Grafik, 11 s/w Abb., Festeinband mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7705-6122-3. Buch bestellen

»Drastik« – mit diesem Stichwort ist auf dem Feld ästhetischer Theoriebildung zuletzt ein Begriff ins Spiel gebracht worden, der im Blick auf seine dominante Rolle in der Gegenwartskultur zu widersprüchlichen Positionen Anlass gegeben hat. Die Beiträge des Bandes widmen sich einer Ästhetik des Drastischen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Einerseits wird Drastik als Modus der Darstellung begriffen, der regelmäßig die Frage nach den Grenzen der Kunst aufwirft. Andererseits werden mit dem Drastischen weder eine bestimmte Epoche noch bestimmte Gegenstände, sondern genuin sprachliche Erfahrungen adressiert. Im Anschluss an eine Debatte über das Drastische, die noch nicht über tentative Ansätze hinausgekommen ist, führt der Sammelband vor Augen, dass eine Ästhetik des Drastischen nur auf der Grundlage eines systematisch präziser umrissenen, historisch aber weiter aus greifenden Begriffs zu erschließen ist.

Elisabeth Bronfen: »Mad Men«

Zürich, Berlin 2015, 160 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-03734-486-6. Buch bestellen

Mit die meistbejubelte und bekannteste unter den sogenannten Qualitätsserien, ist »Mad Men« (2007–2015) eine hochwirksame Zeitkapsel, die ins Herz der US-amerikanischen Gesellschaft und Kultur der 1960er Jahre führt. Visuelle Kultur, Musik, Mode, Familienbild, Geschlechterverhältnisse, gesellschaftliche und politische Situation der Zeit werden auf geradezu unheimliche Weise lebendig. Der prototypische Aufstieg eines Werbegenies mit dunkler Vergangenheit zeichnet das Modell der Selbstperfektionierung nach, wie es zentral für den amerikanischen Traum ist. Dass ausgerechnet eine Werbeagentur den Dreh- und Angelpunkt bildet, entlarvt die angestrebten Ideale von Familie und persönlichem Glück als symbolische Fiktionen, mit denen die »Kreativszene« unentwegt das kollektive Begehren bedient. »Mad Men« ist ein Schlüsselroman auf DVD: individuelle Geschichte und Kommentar zur Lage der Nation, zeithistorisches Sittenbild, Zerrspiegel des Heute und nicht zuletzt eine intelligente Selbstreflexion über die Rolle des Fernsehens.

Sandro Zanetti (Hg.): »Improvisation und Invention. Momente, Modelle, Medien«

Zürich, Berlin 2014. 568 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-03734-743-0. Buch bestellen

Wenn eine Kultur etwas als Erfindung akzeptiert, dann hat dieses Etwas bereits den Status einer Tatsache erhalten, die vorhanden ist und auf ihren Nutzen oder auf ihre Funktion hin befragt werden kann. Was aber geschieht davor? Wie gewinnt das Erfundene Wirklichkeit? Wie in der Kunst, wie im Theater, wie in der Literatur und Musik, wie in der Wissenschaft? Und mit welchen Folgen? Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich alle mit einem Moment oder einem bestimmten Modell der Invention. Ausgehend von den jeweils involvierten Medien wird der Versuch unternommen, diese Momente und Modelle zu rekonstruieren.