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Belarus bewegt

Eine Ringvorlesung des Slavischen Seminars im Herbstsemester 2021, auch zum Nachhören

Seit über einem Jahr bewegen die Proteste in Belarus die internationale Öffentlichkeit.Der Mut der breiten Bevölkerung, auf die Wahlfälschung, auf Gewalt und Terror des Regimes mit friedlichen und kreativen Mitteln über einen so langen Zeitraum zu antworten, hat nicht nur den Blick auf Belarus verändert, sondern auch die internationale Verantwortung erneut ins Bewusstsein gerufen.

Die Ringvorlesung möchte die aktuellen politischen Ereignisse historisch, philosophisch und politisch einordnen und mit Hilfe von Forscher*innen und Künstler*innen aus Belarus und der deutschsprachigen Osteuropaforschung analysieren. Sie thematisiert insbesondere die gesellschaftlichen Entwicklungen nach 1989, unter anderem die Rolle der Zivilgesellschaft, der Medien, der Mehrsprachigkeit, der Künste und der Nachbarn nach dem Zerfall der Sowjetunion bis heute.
Auch die Organisation einer Ringvorlesung ist von den aktuellen Ereignissen betroffen. Sie führt nicht nur vor Augen, dass es für Kolleg*innen aus Belarus gefährlich sein kann, in der Öffentlichkeit kritisch zu sprechen. Sie zeigt auch, dass Künstler*innen und Wissenschaftler*innen gar nicht mehr nach Belarus zurückkehren können und ins Exil (z. B. in die Schweiz) getrieben werden.
Die Ringvorlesung – eine Kooperation von fünf Schweizer Universitäten (Zürich, Basel, Bern, Freiburg und St.Gallen) – wird so, auch weil wir nicht wissen können, wohin sich die «Revolution der Geduld» (Heinrich Kirschbaum) bewegt, zu einer Chronik der laufenden Ereignisse.

Architektur und Sprache

Eine Ringvorlesung der Kommission UZH Interdisziplinär (UZH-i) im Herbstsemester 2021

Architektur und Sprache hängen durch viele Praktiken und Medien zusammen. Die Ringvorlesung nähert sich diesen Zusammenhängen mit einer Auswahl von vier sprachlich konstituierten Praxisfeldern, in denen die wechselseitige Bedeutung von Sprache für Architektur und von Architektur für Sprache anschaulich hervortritt: (1) Reden und Zeigen, (2) Erzählen und Urteilen, (3) Sprechen und Zuhören sowie (4) Lesen und Schreiben.

Wer Architektur schaffen, verkaufen oder öffentlich nutzen will, muss auch über sie reden, d. h. sich einer der genannten Praktiken bedienen. Und wer auf den genannten Feldern angekommen ist und in der Öffentlichkeit reden will, der tut dies stets in einem architektonisch gestalteten Raum und unter dem Eindruck und den Bedingungen dieses Raums. Wie verändert sich unsere Wahrnehmung in der gebauten Umwelt, wenn wir an deren sprachliche Konstitution denken? Und wie beginnen wir (anders) zu sprechen, wenn wir auf die räumlichen Voraussetzungen unseres Redens achten? Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhoffen wir uns von den umseitig aufgeführten Vorlesungen. Sie stammen nicht nur von Forscherinnen und Forschern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch von Fachleuten aus unterschiedlichen Praxisfeldern des Entwerfens, Bauens, Gestaltens und Nutzens von Räumen und der Kommunikation mit und über Architektur.

Organisiert von Prof. Dr. Hans-Georg von Arburg, Universität Lausanne; Prof. Dr. Noah Bubenhofer, Prof. Dr. Heiko Hausendorf und Prof. Dr. Klaus Müller-Wille, Deutsches Seminar.

THEATER & COMMUNITAS. Formen digitaler Gemeinschaftlichkeit in den performativen Künsten

FS 2021, donnerstags, 16 bis 18 Uhr, über Zoom

Das Erzeugen und Erproben von Zusammensein im Theater haben während der Pandemie besonders an Brisanz gewonnen. Die Schliessungen der Kulturinstitutionen und die Unmöglichkeit, sich physisch zu versammeln, fordern nicht nur die Arbeit der Theaterschaffenden heraus, sondern auch das Theater selbst als öffentlichen Ort der Versammlung, als Kunst der sogenannten „leiblichen Ko-Präsenz“ oder als „Communitas“ –  eine liminale und spontane Form der Gemeinschaftlichkeit. Während neue Formen der Zusammenkunft und der Öffentlichkeit im digitalen Raum zutage treten, wird bereits ein „postpandemisches Theater“ bereits erwogen. Zugleich gibt die digitale Bereitstellung von vergangenen Aufführungen auch Anlass dazu, über Theater als gemeinsames Erlebnis und Diskussionsmaterial in neuen raumzeitlichen Bedingungen nachzudenken.
Diese Gelegenheit möchte das Webinar „Theater&Communitas“ ergreifen: Anhand jüngster Beispiele der (post-)dramatischen, performativen, aktivistischen und digital-hybriden Bühne sowie der Oper werden Konzepte und Praktiken von Gemeinschaftlichkeit erforscht, die global entworfen werden und sich mit den digitalen Formaten von Theater und Performance kreativ, konstruktiv oder kritisch auseinandersetzen. Über die kollektive Untersuchung und Reflexion hinaus ermöglicht die Veranstaltungsreihe ihren Teilnehmenden auch, sich als Publikum zu treffen bzw. sich auf Austausch und offene Diskussionen über Theater und „Communitas“ einzulassen. So hofft das Webinar selbst, anhand regelmäßiger Treffen zur Gemeinschaftlichkeit aufzufordern, welche den Theatern und ihren Publika zurzeit entzogen ist.

Form/Formlosigkeit

FS 2021, montags, 14-15:45 Uhr, Universität Zürich, online

Zwischen Idealismus (Platon) und Ontologie (Aristoteles) und hier wiederum zwischen Aktualität und Potentialität hat der Formbegriff eine zweitausendjährige Geschichte, deren gemeinsamer Nenner die Differenz zwischenForm (eidos oder morphe, forma) und Stoff (hyle, materia) bildet. Den Höhepunkt der theoretischen Debatten in der Vormoderne bildet die sogenannte Morphologie (u.a. bei Johann Wolfgang Goethe). Ab 1800 zeichnet sich eine grundsätzliche Transformation des Nachdenkens ab, die bis zu den rezenten Theorien von Gilles Deleuze oder Giorgio Agamben sowie zur Tendenz der Auflösung der Form in Formlosigkeit etwa bei Donna Haraway reicht. Form, Formlosigkeit und die Formen der Formlosigkeit sind das Thema dieser Ringvorlesung, in der klassische philosophische und ideengeschichtliche Positionen sowie aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche Revisionen anhand von Beispielen aus Literatur, bildender Kunst, Film, Musik und Performance Art diskutiert werden.

Konzeption: Prof. Dr. Frauke Berndt, Prof. Dr. Klaus Müller-Wille

Kulturanalyse jetzt!

Jeweils montags von 16:15 bis 18 Uhr, im Herbstsemester 2020 nur online

Was ist jetzt? Wie ist es dazu gekommen? Und was ist im Kommen? Diese Fragen stehen im Zentrum von «Kulturanalyse jetzt!», der Ringvorlesung des Studienprogramms Kulturanalyse. Die Vorträge und Gespräche mit Gästen fokussieren auf die Jetztzeit, praktizieren, was Hegel als die «Zeit in Gedanken erfasst» bezeichnet hat. 

Leitthema im Herbstsemester 2020 ist die Covid-19-Krise und ihre Folgen. Uns interessiert - im Sinne einer kulturanalytischen Gegenwartsanalyse -, die Ereignisse rund um diese Krise aus persönlichen, fachlichen und künstlerischen Perspektiven zu analysieren und uns zu überlegen, was die kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und künstlerischen Konsequenzen dieser Krise sein könnten.

Again ... Wi(e)derbetrachtungen von Geschichte

Montags, HS 2020, 18-20 Uhr, Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich, Hörsaal 3.K01 und via Zoom

Programm und Moderation: Sigrid Adorf und Sønke Gau

Geschichte ist paradox – sie scheint faktisch gegeben, aber nie abgeschlossen. Widerstreitende Betrachtungen und Bewertungen sind der Stoff, aus dem Gegenwart ihre Zukunft generiert. Dem fortschrittsorientierten Geschichtsverständnis setzt Walter Benjamin in seinem berühmten Text «Über den Begriff der Geschichte» (1940) den Gedanken einer nichtlinearen, diskontinuierlichen Zeit entgegen und verbindet damit eine säkularisierte Hoffnung auf Erlösung. Mit Benjamin gesprochen, bleibt es die Aufgabe der Kritik, «die Geschichte gegen den Strich zu bürsten». 

Die Vorlesungsreihe «Positionen und Diskurse» (PDF, 88 KB) möchte diesem Geschichtsverständnis folgen. Künstlerische Verfahren zur Befragung von Geschichte, wie die Beschäftigung mit dem Re-enactment zwischen Intervention und Restauration, das Erstellen von oder die Beschäftigung mit Archiven des Geleugneten, Übersehenen und Unterdrückten oder die notwendige Neubetrachtung und -bewertung musealer Sammlungen, allen voran den ethnologischen, stehen dabei im Zentrum. Gemeinsam mit Gästen aus den Künsten und den Geisteswissenschaften möchten wir die Praktik des Wi(e)derbetrachtens als kritische Methode historischer Forschung in den Künsten untersuchen – als Möglichkeit der punktuellen Stillstellung des Geschehens, als Chance einer unterdrückten Vergangenheit.

1989: Bewegungen, Impulse, Umbrüche. 30 Jahre Seminar für Filmwissenschaft

19. September - 12. Dezember, immer donnerstags, 17 Uhr Vortrag, 18:30 Uhr Filmvorführung, Filmpodium, Nüschelerstrasse 11, 8001 Zürich

Im Herbstsemester 2019 richtet die Ringvorlesung „1989: Bewegungen, Impulse, Umbrüche“ den Blick zurück auf das Gründungsjahr des Seminars für Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Das Jahr 1989, auf das im Rahmen der Ringvorlesung mit einer und durch eine Vielzahl von Filmen geblickt wird, stellt in gesellschaftspolitischer wie auch mediengeschichtlicher Hinsicht einen aussergewöhnlichen Wendepunkt dar. Welche Wechselbeziehungen bestehen zwischen Film und Geschichte? Welche Geschichte(n) schreibt das Kino? Und wie ist die Filmwissenschaft als junge Disziplin mit diesen Prozessen verbunden?

Die Ringvorlesung, zu der international renommierte Referentinnen und Referenten geladen sind, findet als öffentliche Veranstaltung im Filmpodium der Stadt Zürich statt und wird von einer Filmreihe begleitet.

Organisation: Seminar für Filmwissenschaft, Universität Zürich, Philipp Blum, Noemi Daugaard, Barbara Flückiger, Fabienne Liptay, Patricia Pfeifer, Vera Schamal

Kunst & Literatur vor Gericht

Donnerstags, 18.15 bis 20.00 Uhr, Eingang Karl-Schmid-Strasse 4, Hörsaal KO2-F-180, Eingang Karl-Schmid-Strasse 4, Eintritt frei.

Kunst und Literatur können jederzeit vor Gericht landen und verurteilt werden. Das zeigen die jüngsten Prozesse gegen den Satiriker Jan Böhmermann, die Kunst-Aktivistinnen von Pussy Riot oder gegen den Schriftsteller Maxim Biller. Nicht nur in autoritären Regimen, sondern gerade auch in rechtsstaatlichen Demokratien. Die Kunstfreiheit ist zwar oft ein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht, kann aber mit anderen Grundrechten kollidieren, sodass fallspezifische Abwägungen notwendig werden. Ob es nun um Gotteslästerung, Pornografie, Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre oder Plagiat geht – was unter Kunstfreiheit zu verstehen ist, wird im Widerstreit künstlerischer und juristischer Positionen stets neu justiert.

Sowohl rechtssystematisch als auch anhand von markanten Einzelfällen, sowohl länderspezifisch als auch im internationalen Vergleich besichtigt die Ringvorlesung jene Kampfplätze, auf denen immer wieder aufs Neue über die Grenzen und die Definition von Kunst und ihrem Freiheitsbereich entschieden wurde und wird.

Die Ringvorlesung wird veranstaltet von der Kommission UZH Interdisziplinär (uzh-i) und organisiert von Georges Felten (Deutsches Seminar), Sandra Frimmel (Slavisches Seminar), Matthias Meindl (Slavisches Seminar) und Florian Schmidt-Gabain, Rechtsanwalt (Zürich).

Hier können Sie das Programm der uzh-i-RVL ansehen.

Realismus, Dokumentarismus, Faktographie

Montags, ab dem 17. September 2018, 14:00 bis 15:45 Uhr, Rämistrasse 71, KOL-F-101

In den letzten zwanzig Jahren gab es einen regelrechten Realismusboom im Theater, in der Literatur, in der bildenden Kunst, in der Philosophie. Womit hängt das zusammen? Welche Realismuskonzepte bzw. Theorien des Realen wurden dabei aktualisiert oder kritisiert? Wie verhält sich der ‚neue‘ Realismus zu seinen Vorgängern (Realismus im 19. Jahrhundert, Faktografie, Dokumentarismus, magischer Realismus, Sozrealismus)? Was hat das mit der Postmoderne zu tun? Und was mit der Gegenwart – mit Fake News, mit der Wahrnehmung der Realität durch Medien?
Programm ansehen

Geography of Photography - Made in Germany? Photography and Photographers. Dr. Carlo Fleischmann-Vorträge zur Fotografie

Am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Rämistrasse 59, Raum RAA-G-15 und RAA-G-01, von 18:15-20 Uhr, Herbstsemester 2016.

»Geografie der Fotografie« meint die Untersuchung fotografischer Kulturen in verschiedenen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten. Langfristig kann so ein medienspezifischer und –historischer Vergleich kultureller Räume entstehen, der über die Kategorie der nationalen Identität hinausgeht und eher dazu beiträgt zu fragen, wie Fotografie zwischen lokaler Kultur und Globalisierung funktioniert.

 

Die Entstehungs- und Technikgeschichte der Fotografie in verschiedenen Ländern und Kulturräumen, die Sammlungs- und Galeriegeschichte der Fotografie, das Verhältnis von Dokumentations- und Kunstfotografie, die national und international operierenden Fotografinnen und Fotografen sollen ebenso thematisiert werden wie die Frage, wer sich in welchen Ländern und Kulturräumen der theoretischen Aufarbeitung der Fotografie gewidmet hat. Besonderes Augenmerk gilt darüber hinausgehend folgenden Fragen: Welche Rolle hat die Fotografie in sozial und politisch paradigmatischen Situationen wie Kolonialisierung und Krieg gespielt? Und welche Bedeutung hatte die Fotografie für die Geistes- und Naturwissenschaften der jeweiligen Länder?

Die Vortragsreihe soll inhaltlich und intellektuell die Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich national und international vernetzen sowie ein entsprechend attraktives Lehrangebot für Studierende bieten.

Postmoderne

Im Frühjahrssemester 2015 organisierte die Kommission UZH Interdisziplinär (UZH-i, Sebastian Egenhofer, Mechtild Widrich und Martino Stierli) die Ringvorlesung "Postmoderne".

Die vom Victoria and Albert Museum konzipierte Ausstellung Postmodernism – Style and Subversion, 1970-1990, die 2012 im Landesmuseum zu sehen war, markierte einen Einschnitt in der Einschätzung der kulturellen und theoretischen Produktion kurz vor Ende des Kalten Krieges. Erstmals wurde die Postmoderne in einer populären Ausstellung als historische Epoche begriffen, als sozusagen aus der Distanz erklär- und rezipierbare Konstruktion. Diese ist in jüngerer Zeit von einer Reihe neuer wissenschaftlicher Publikationen vorweggenommen worden, die die Postmoderne in Bezug setzen zu Globalisierung, Interdisziplinarität und selbstreflexiven Wissensdiskursen. Die Skepsis gegenüber dem Fortschrittsdenken und den Meta-Erzählungen der Moderne und von Geschichtlichkeit im Allgemeinen, das Hinterfragen von Autor und Autorität und die Neudefinition von ökonomischen und wissenschaftlichen Systemen als relationale Netzwerke sind bezeichnende Faktoren postmodernen Denkens, die weiterhin prägend für das heutige Verständnis der Welt sind.
Die Ringvorlesung nimmt die wichtige Erkenntnis von der Notwendigkeit auf, die Postmoderne historisch einzuordnen, und versucht, vormals latentes Wissen explizit zu thematisieren. Im Zentrum steht die These, dass postmodernes Denken – in oftmals verwandelter Form – die heutige Wissensproduktion weiterhin massgeblich bestimmt.