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Kunst & Literatur vor Gericht

Donnerstags, 18.15 bis 20.00 Uhr, Eingang Karl-Schmid-Strasse 4, Hörsaal KO2-F-180, Eingang Karl-Schmid-Strasse 4, Eintritt frei.

Kunst und Literatur können jederzeit vor Gericht landen und verurteilt werden. Das zeigen die jüngsten Prozesse gegen den Satiriker Jan Böhmermann, die Kunst-Aktivistinnen von Pussy Riot oder gegen den Schriftsteller Maxim Biller. Nicht nur in autoritären Regimen, sondern gerade auch in rechtsstaatlichen Demokratien. Die Kunstfreiheit ist zwar oft ein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht, kann aber mit anderen Grundrechten kollidieren, sodass fallspezifische Abwägungen notwendig werden. Ob es nun um Gotteslästerung, Pornografie, Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre oder Plagiat geht – was unter Kunstfreiheit zu verstehen ist, wird im Widerstreit künstlerischer und juristischer Positionen stets neu justiert.

Sowohl rechtssystematisch als auch anhand von markanten Einzelfällen, sowohl länderspezifisch als auch im internationalen Vergleich besichtigt die Ringvorlesung jene Kampfplätze, auf denen immer wieder aufs Neue über die Grenzen und die Definition von Kunst und ihrem Freiheitsbereich entschieden wurde und wird.

Die Ringvorlesung wird veranstaltet von der Kommission UZH Interdisziplinär (uzh-i) und organisiert von Georges Felten (Deutsches Seminar), Sandra Frimmel (Slavisches Seminar), Matthias Meindl (Slavisches Seminar) und Florian Schmidt-Gabain, Rechtsanwalt (Zürich).

Hier können Sie das Programm der uzh-i-RVL ansehen.

Realismus, Dokumentarismus, Faktographie

Montags, ab dem 17. September 2018, 14:00 bis 15:45 Uhr, Rämistrasse 71, KOL-F-101

In den letzten zwanzig Jahren gab es einen regelrechten Realismusboom im Theater, in der Literatur, in der bildenden Kunst, in der Philosophie. Womit hängt das zusammen? Welche Realismuskonzepte bzw. Theorien des Realen wurden dabei aktualisiert oder kritisiert? Wie verhält sich der ‚neue‘ Realismus zu seinen Vorgängern (Realismus im 19. Jahrhundert, Faktografie, Dokumentarismus, magischer Realismus, Sozrealismus)? Was hat das mit der Postmoderne zu tun? Und was mit der Gegenwart – mit Fake News, mit der Wahrnehmung der Realität durch Medien?
Programm ansehen

Geography of Photography - Made in Germany? Photography and Photographers. Dr. Carlo Fleischmann-Vorträge zur Fotografie

Am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Rämistrasse 59, Raum RAA-G-15 und RAA-G-01, von 18:15-20 Uhr, Herbstsemester 2016.

»Geografie der Fotografie« meint die Untersuchung fotografischer Kulturen in verschiedenen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten. Langfristig kann so ein medienspezifischer und –historischer Vergleich kultureller Räume entstehen, der über die Kategorie der nationalen Identität hinausgeht und eher dazu beiträgt zu fragen, wie Fotografie zwischen lokaler Kultur und Globalisierung funktioniert.

 

Die Entstehungs- und Technikgeschichte der Fotografie in verschiedenen Ländern und Kulturräumen, die Sammlungs- und Galeriegeschichte der Fotografie, das Verhältnis von Dokumentations- und Kunstfotografie, die national und international operierenden Fotografinnen und Fotografen sollen ebenso thematisiert werden wie die Frage, wer sich in welchen Ländern und Kulturräumen der theoretischen Aufarbeitung der Fotografie gewidmet hat. Besonderes Augenmerk gilt darüber hinausgehend folgenden Fragen: Welche Rolle hat die Fotografie in sozial und politisch paradigmatischen Situationen wie Kolonialisierung und Krieg gespielt? Und welche Bedeutung hatte die Fotografie für die Geistes- und Naturwissenschaften der jeweiligen Länder?

Die Vortragsreihe soll inhaltlich und intellektuell die Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich national und international vernetzen sowie ein entsprechend attraktives Lehrangebot für Studierende bieten.

Postmoderne

Im Frühjahrssemester 2015 organisierte die Kommission UZH Interdisziplinär (UZH-i, Sebastian Egenhofer, Mechtild Widrich und Martino Stierli) die Ringvorlesung "Postmoderne".

Die vom Victoria and Albert Museum konzipierte Ausstellung Postmodernism – Style and Subversion, 1970-1990, die 2012 im Landesmuseum zu sehen war, markierte einen Einschnitt in der Einschätzung der kulturellen und theoretischen Produktion kurz vor Ende des Kalten Krieges. Erstmals wurde die Postmoderne in einer populären Ausstellung als historische Epoche begriffen, als sozusagen aus der Distanz erklär- und rezipierbare Konstruktion. Diese ist in jüngerer Zeit von einer Reihe neuer wissenschaftlicher Publikationen vorweggenommen worden, die die Postmoderne in Bezug setzen zu Globalisierung, Interdisziplinarität und selbstreflexiven Wissensdiskursen. Die Skepsis gegenüber dem Fortschrittsdenken und den Meta-Erzählungen der Moderne und von Geschichtlichkeit im Allgemeinen, das Hinterfragen von Autor und Autorität und die Neudefinition von ökonomischen und wissenschaftlichen Systemen als relationale Netzwerke sind bezeichnende Faktoren postmodernen Denkens, die weiterhin prägend für das heutige Verständnis der Welt sind.
Die Ringvorlesung nimmt die wichtige Erkenntnis von der Notwendigkeit auf, die Postmoderne historisch einzuordnen, und versucht, vormals latentes Wissen explizit zu thematisieren. Im Zentrum steht die These, dass postmodernes Denken – in oftmals verwandelter Form – die heutige Wissensproduktion weiterhin massgeblich bestimmt.